Filesharing-Plattform geschlossen

FBI schließt Megaupload und verhaftet Kim Schmitz (Update II)

Freitag den 20.01.2012 um 15:25 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Für Kim Schmitz klickten wieder einmal die Handschellen.
Vergrößern Für Kim Schmitz klickten wieder einmal die Handschellen.
© iStockphoto.com/© Ivan Fisun
Die US-Bundespolizei FBI hat die bei Raubkopierfans beliebte Filesharing-Seite Megaupload.com offline genommen. Deren Betreiber ist der bekannte Hacker und Selbstdarsteller Kim Schmitz. Das FBI nahm ihn zusammen mit mehreren Kumpanen fest. Die Hackergruppe Anonymous greift als Rache massiv US-Websites an (OpMegaupload ). Update 15.25 Uhr: Welche rechtlichen Folgen drohen Nutzern von Megaupload? Umfrage: Sympathisieren Sie mit der Rache-Aktion?
Megaupload.com ist derzeit nicht erreichbar. Auf Megaupload.com konnte jeder Interessent kostenlos Dateien hochladen und wieder herunterladen. Gegen Bezahlung einer Gebühr gab es mehr Tempo für Upload und Download. Dementsprechend erfreute sich Megaupload großer Beliebtheit bei Internetnutzern, die illegale Kopien von Musikstücken und von Kinofilmen austauschen wollten. Das Unternehmen Megaupload Ltd. hatte seinen Sitz in Hongkong und war deshalb bisher vor Strafverfolgung durch westliche Behörden relativ sicher; die Server von Megaupload standen in den USA und in Neuseeland.

Der Musik- und Filmindustrie war das natürlich ein Dorn im Auge. Das hatte nun Konsequenzen: Die US-Bundespolizei FBI nahm die Verantwortlichen von Megaupload.com in einer weltweiten Aktion fest, wie das Wall Street Journal berichtet. Die US-Behörden werfen Megaupload vor, mehr als 175 Millionen US-Dollar mit kriminellen Machenschaften umgesetzt zu haben. Den Rechteinhabern sei durch Megaupload ein Schaden von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar entstanden.

Kim Schmitz alias Kimble alias Kim Dotcom verhaftet

Vier Köpfe von Megaupload nahm die Polizei am Donnerstag in Neuseeland fest. Darunter befand sich auch Kim Schmitz, einer der schillerndsten und dubiosesten IT- und Internet-Männer aus Deutschland.

Der oft als „Kim Dotcom“ oder „Kimble“ bezeichnete 37 Jahre alte deutsche Kim Schmitz soll der Chef von Megaupload sein. Kim Schmitz ist in der Internetwelt eine bekannte Größe. Er war während des Internetbooms Ende der 90er Jahre ständig in den Medien präsent und erarbeitete sich zunächst einen zweifelhaften Ruf mit Hacker-Aktivitäten. Danach gründete er mehrere Unternehmen, die im weitesten Sinne im Bereich IT-Sicherheit aktiv waren. Schmitz verstrickte sich immer mehr in dubiose Aktivitäten, die schließlich zu seiner rechtskräftigen Verurteilung führten. Als „Kimble“ bezeichnete er sich selbst in Anlehnung an die bekannte Filmfigur aus „Dr. Kimble auf der Flucht“.

Der extrem korpulente und groß gewachsene Schmitz zeigte sich oft mit mehreren attraktiven Begleiterinnen auf teuren Yachten, auf Partys und vor teuren PS-starken Limousinen. Sein Auftreten und seine Selbstdarstellung sowie seine Äußerungen in der Öffentlichkeit führten dazu, dass er sich den Ruf eines Selbstdarstellers und Großmauls erarbeitete.

Eine Zeitlang wurde es ruhig um Schmitz. Bis er mit Megaupload ein gewaltiges Comeback hinlegte – erneut mit zweifelhaftem Ruf. Das führte schließlich zu seiner Verhaftung durch das FBI am 19. Januar 2012.

Update I 11.15 Uhr: Racheakt OpMegaupload - Anonymous greift US-Seiten an

Die Hackergruppe Anonymous hat die Schließung von Megaupload zum Anlass für eine Angriffswelle gegen verschiedene US-Websites genommen, so dass diese zumindest zeitweise offline waren oder immer noch sind. Die Aktivisten griffen dabei verschiedene Seiten an, die sich mit Urheberrechtsschutz befassen beziehungsweise US-Musik- und Film-Unternehmen gehören, beispielsweise die Seiten des US Copyright Office, von Universal Music, der RIAA und der MPAA. Zumindest teilt das die Hackergruppe auf ihrer Seite mit. Die komplette Liste der im Rahmen der Aktion OpMegaupload angegriffenen Seiten sieht angeblich so aus:

Department of Justice (Justice.gov)
Motion Picture Association of America (MPAA.org)
Universal Music (UniversalMusic.com)
Belgian Anti-Piracy Federation (Anti-piracy.be/nl/)
Recording Industry Association of America (RIAA.org)
Federal Bureau of Investigation (FBI.gov)
HADOPI law site (HADOPI.fr)
U.S. Copyright Office (Copyright.gov)
Universal Music France (UniversalMusic.fr)
Senator Christopher Dodd (ChrisDodd.com)
Vivendi France (Vivendi.fr)
The White House (Whitehouse.gov)
BMI (BMI.com)
Warner Music Group (WMG.com)

Einige der genannten Seiten scheinen mittlerweile aber wieder online zu sein. Das US-Justizministerium hat die Attacke gegen seine Website via Twitter bereits bestätigt.

Update II 15.15 Uhr: Welche rechtlichen Folgen drohen den Benutzern von Megaupload? Und was ist mit den auf Megaupload beschlagnahmten Dateien? Auf welche Konsequenzen muss sich Kim Schmitz einstellen? Diese Fragen beantwortet ein Experte für Internetrecht auf der nächsten Seite.

Was halten Sie von der Rache-Aktion von Anonymous?

Freitag den 20.01.2012 um 15:25 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (27)
  • deoroller 19:00 | 22.04.2012

    Die Aburteilung kann auch ohne Auslieferung erfolgen. Wofür haben die Drohnen? :madcat:

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  • C11H15NO2 17:29 | 22.04.2012

    Zitat: Thor Branke
    Unglaublich, aber möglichgerweise entpuppt sich das Ganze tatsächlich als ein Sturm im Wasserglas:

    Angenommen, das kommt wirklich so: wie hoch mögen dann die Schadensersatzforderungen ausfallen?
    Hatte also mein Kaffeesatz-Orakel vor einer Woche doch recht! :bse:

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  • Thor Branke 17:26 | 22.04.2012

    Zitat: Scasi
    wessen Schadensersatzforderungen meinst Du - die der amerikanischen Content-Mafia, oder die von Schmitz & Co. gegen wen auch immer?


    Zitat: magiceye04
    Wie wärs mit den Forderungen der Leute, die ihre Daten dort hosteten?
    Ergo also von Megaupload gegen die Justiz Neuseelands/FBI.


    ... und die der Firma, die die Server bereit stellte und diese bis heute wohl nicht für neue Geschäfte nutzen kann. Oder sind die Daten schon zur Löschung freigegeben worden?

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  • Scasi 17:22 | 22.04.2012

    > Wie wärs mit den Forderungen der Leute, die ihre Daten dort hosteten?

    :dumm: stimmt, die habsch ja gar ganz völlisch vergessen! :danke:

    [COLOR="Silver"](wobei die imho unter die "selbst-schuld-Regel" fallen und von mir eh nix kriegen würden[/COLOR])

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  • magiceye04 17:15 | 22.04.2012

    Wie wärs mit den Forderungen der Leute, die ihre Daten dort hosteten?
    Ergo also von Megaupload gegen die Justiz Neuseelands/FBI.

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