20.08.2012, 11:11

Benjamin Schischka

Filesharing

Abmahnkanzlei plant Porno-Pranger in Deutschland

Erst die Abmahnung, dann der Pranger? ©iStockphoto.com/Christoph Hähnel

Wer Pornos aus Filesharing-Börsen herunterlädt, kann seinen Namen vielleicht schon ab dem 1. September auf einer öffentlichen Liste im Internet nachlesen.
Als die Regensburger Rechtsanwaltskanzlei Urmann + Collegen (U + C) Ende 2010 rund 70.000 Abmahnungen im Wert von 90 Millionen Euro versteigerte, sorgte das für Aufsehen. Die Versteigerung zeigt nämlich, wie aus den Abmahnungen mittlerweile ein Geschäft geworden ist. Für den 1. September 2012 plant die Kanzlei nun einen weiteren Schritt, der erneut für Empörung sorgen dürfte. Die Anwälte wollen eine Liste mit gerichtlichen Gegnern im Internet veröffentlichen. U + C vertritt „überwiegend Pornofilmproduzenten“ (Süddeutsche). Wer sich also Filme wie „Sextape“ oder „Pure Lust“ via Filesharing-Dienst heruntergeladen und eine Abmahnung von Urmann + Collegen erhalten hat, könnte demnächst auf der Liste stehen.
 
Die Initiative AW3P sprach mit dem Geschäftsführer Rechtsanwalt Thomas Urmann. Im Interview bestreitet Urmann lediglich, dass der Schwerpunkt seiner Kanzlei auf Urheberverstößen in P2P-Netzwerken liegt und betont, dass man sich bei der Formulierung der Liste streng an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts halten werde. Ob die User mit vollständigem Klarnamen inklusive Adresse und Titel des heruntergeladenen Pornos genannt würden, lässt er offen. Vor einer Abmahnwelle gegen seine Kanzlei habe er keine Angst. Urmann wähnt sich bei der Veröffentlichung der Liste im Recht.
 
Das Wochenblatt will aus Kreisen der Kanzlei erfahren haben, dass man mehr als 150.000 Namen von Abgemahnten veröffentlichen wolle. Jede Woche sollen angeblich Abmahnungen wäschekörbeweise aus der Kanzlei verschickt werden. Zunächste wolle man heikle Fälle veröffentlichen – Abgemahnte, die nicht zahlen wollen. Angeblich seien unter den Zahlungsverweigerern auch Pfarrämter und Polizeistationen. Das Wochenblatt schreibt, der Titel des Pornos soll zunächst nicht neben dem Namen veröffentlicht werden.
Ist die Liste nur eine Drohgebärde um Abgemahnte zum Zahlen zu zwingen? Oder kommt die Liste wirklich? Was glauben Sie?

 
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