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Fiasko bei Direkt Anlage Bank

05.09.2000 | 17:56 Uhr |

Nichts ging mehr bei der Direkt Anlage Bank. Am Montag kamen die Kunden der Direktbank über das Internet nicht an ihre Depots, der Online-Aktienhandel war komplett zusammengebrochen. Der Ärger unter den Anwendern ist groß, viele drohen mit Kündigung, andere mit der Bankenaufsicht.

Nichts ging mehr bei der Direkt Anlage Bank. Am Montag kamen die Kunden der Direktbank über das Internet nicht an ihre Depots, der Online-Aktienhandel war komplett zusammengebrochen. Der Ärger unter den Anwendern ist groß, viele drohen mit Kündigung, andere mit der Bankenaufsicht.

Auslöser des Zusammenbruchs der EDV war eine Software-Umstellung am Wochenende. Das Projekt lief bei der Direkt Anlage Bank unter dem Motto "Fit für eine Million". Die Bank, die zum Halbjahr dieses Jahres rund 293.000 Depots verwaltete, wollte die zentrale Handels-Software für einen Kundenstamm von einer Million aufrüsten.

Nach Angaben der Bank führte ein "manueller Eingriff" beim Einspielen der neuen Software zu dem Fiasko. Pressesprecher Markus Reiter erklärte gegenüber PC-WELT, beim manuellen Nachziehen der Stammdaten auf das neue System sei der Fehler passiert. Dieser Prozess müsse manuell geschehen, ein automatisiertes Vorgehen gebe es dafür nicht, weil das Update des Systems ein einmaliger Vorgang sei.

Die Bank verwies Ihre Kunden am Montag auf den Handel per Telefon oder Fax. Laut Reiter war das Order-Telefon mit normalen Wartezeiten erreichbar gewesen, alle Aufträge seien ausgeführt worden. Die Bank habe am Montag bis 16 Uhr rund 20.000 Orders per Telefon und Fax abgewickelt, so viel wie an anderen Handelstagen mit funktionierender EDV.

Auch einen Tag nach dem schwarzen Montag berichteten Kunden von Problemen beim Zugriff auf ihre Depots, obwohl nach Angaben der Bank das Problem seit Montag Abend gelöst ist. Stichproben der PC-WELT am Dienstag Vormittag bestätigten die Kundenbeschwerden. Gegen Dienstag Mittag entspannte sich die Lage, die Kunden konnten sich wieder in ihre Depots einloggen.

Reiter räumte ein, dass die Kunden durch den Ausfall der Handels-EDV am Montag Unannehmlichkeiten hatten, der Handel sei aber per Telefon und Fax zu jeder Zeit möglich gewesen. Leidtragende der ganzen Geschichte sei die Bank gewesen, die alle Telefon- und Fax-Aufträge am Montag zu den günstigeren Online-Gebühren abgewickelt hätte. (PC-WELT, 05.09.2000, bif)

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