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Einnahmen der Mobilfunkbetreiber gefährdet

Femtozellen sind ein gefährliches Geschäft für Mobilfunkbetreiber, sagt eine Studie des britschen Marktforschungsunternehmens Analysys. Einerseits können damit Netzlücken geschlossen und Festnetzkunden abgeworben werden, aber sie können auch die Einnahmen aus dem Geschäft mit den teuren Handy-Telefonminuten kannibalisieren.

Viele Mobilfunkunternehmen erwägen, schon ab dem kommenden Jahr Femtozellen einzusetzen und damit Handy-Telefonate in Gebäuden über die Internet-Zugänge ihrer Kunden schicken. Das spart Kosten, weil das Telefonat nicht übers Mobilfunknetz vermittelt wird, und kann Lücken in der Netzabdeckung schließen. Motorola hat gerade erst einen Feldversuch mit einem großen europäischen Mobilfunkunternehmen gestartet.

Die Netzbetreiber sollen aber höchst vorsichtig bei der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle für die neue Technik sein und sich genau überlegen, wie viel sie dafür von ihren Kunden kassieren, empfiehlt eine neue Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Analysys. Die Einführung der Femtozellen stelle ein ernsthaftes Risiko für das bestehende Mobilfunkgeschäft dar und viele frühe Geschäftsideen seien wirtschaftlich gar nicht durchführbar.

"Femtozellen entwickeln sich schnell von einer interessanten Zukunftstechnologie zu einer Technik, die Mobilfunkunternehmen wirklich einsetzen können", sagt Studienautor Alastair Brydon. "Bisher haben sich nur die technischen Entwicklungsabteilungen der Mobilfunkunternehmen mit den Femtozellen beschäftigt, aber jetzt müssen daraus profitable Geschäftsmodelle entwickelt werden." Die Studie warnt davor, dass einige der Services und Anwendungsszenarien, die sich die Netzbetreiber vorstellen, ökonomischen Unsinn darstellen und ihre bestehenden Einnahmequellen kannibalisieren können.

Wenn die Femtozellen nur dazu eingesetzt werden, um billige Handy-Telefonate zu Hause zu ermöglichen, schaffen die Kunden zwar ihr Festnetz ab und führen noch mehr Gespräche übers Mobiltelefon. Für die Mobilnetzbetreiber kann das aber trotzdem in einer Katastrophe enden, weil die zu erwartenden Gewinne nur schwer vorhersehbar sind. Die Anbieter sollen sich auf wichtige Marktsegmente konzentrieren und ihre Preise nicht zu weit senken. In einem Haushalt mit mehreren Handy-Besitzern und schlechter Netzabdeckung könnten sie beispielsweise die Kosten für die Installation einer Femtozelle in vier Monaten wiedergutmachen, wenn ihre Preise deutlich über denen für Festnetztelefonaten liegen.

Lieber sollten sich die Unternehmen auf Multimedia-Geschäftsmodelle konzentrieren, weil sich damit Einnahmen erhöhen und Kosten senken lassen. Mobiles Fernsehen, Video und Audio würden die Femtozellen viel attraktiver für die Kunden machen. "Mobiles Fernsehen könnte eine wichtige Komponente für ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit Femtozellen sein," sagt der zweite Studienautor Mark Heath. "Untersuchungen haben gezeigt, dass es sehr stark zu Hause genutzt wird." Mobilfunkunternehmen könnten zehn Dollar jährlich pro Haushalt einsparen, weil sie ihre Netze für DVB-H weniger dicht bauen müssten. Besonders in Gebäuden ist der Empfang des Handy-Fernsehens oft schlecht, weil er durch Stahlträger beeinflusst wird. Mit Femtozellen könnten die Mobilfunkkunden solche Probleme vermeiden.

Theoretisch kann jeder Nutzer seine eigene Homezone aufbauen, indem sich sein Handy zu Hause bei der Femtozelle anmeldet, anstatt im Netz des Mobilfunkbetreibers. Die Femtozellen funktionieren also wie die Hotspots für WLAN-Handys, nur das man jedes normale UMTS-Mobiltelefon dafür verwenden kann und die Batterie viel weniger belastet wird. Das Marktforschungsunternehmen Ovum geht davon aus, das bis 2010 in Westeuropa zwölf Millionen Femtozellen installiert werden und 2011 sogar schon 17 Millionen der Mini-Funkzellen aufgebaut sind.

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