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Fast jeder zweite Lehrling hat keine Ahnung von Computern

13.08.2007 | 09:58 Uhr |

Eine Umfrage von TNS-Infratest unter 200 Lehrmeistern hat ergeben, dass fast 50 Prozent aller Lehrlinge nicht mit einem Computer arbeiten können.

Die bei den deutschen Handwerksbetrieben eruierten Daten ergaben, dass 46 Prozent der insgesamt rund 500.000 Lehrlinge im Handwerk "keine ausreichenden Kenntnisse im Umgang mit Computern und dem Internet" besitzt.
Der Umfrage zufolge haben zudem sechs von zehn Auszubildenden zu wenige Kenntnisse beim Umgang mit Textverarbeitungssystemen. Noch gravierender sind die Wissenslücken bei Tabellenkalkulationsprogrammen. Nur jeder vierte Azubi kann hier mit genügenden Kenntnissen aufwarten. Das Internet, immerhin als das entscheidende Werkzeug der Informationsgesellschaft apostrophiert, beherrschen lediglich 40 Prozent aller Lehrlinge.
Bei der Umfrage wurden die IT-Kenntnisse von Auszubildenden mit Haupt- oder Realschulabschluß untersucht. Die Umfrage wurde im Auftrag der Initiative IT-Fitness abgehalten. Zu der Initiative gehören Unternehmen aus der Wirtschaft sowie des öffentlichen Sektors wie etwa Microsoft und die Deutsche Bahn.
Der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, Achim Berg, der als Beiratsvorsitzender der Initiative IT-Fitness fungiert, sagte zu den Ergebnissen der Untersuchung: "Bereits jetzt sind Unternehmen nicht nur in der High-Tech-Branche mit einem alarmierenden Mangel an qualifiziertem Nachwuchs konfrontiert. IT-Kenntnisse sind eine mittlerweile unverzichtbare Schlüsselqualifikation auf dem Arbeitsmarkt und ein wesentlicher Faktor der Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen. Deshalb sind IT-fitte Schulabgänger bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz klar im Vorteil."


Berg sagte gegenüber der "Bild am Sonntag": "Vielen Schulabgängern fehlen wichtige Grundkenntnisse, um überhaupt in die Ausbildung starten zu können. Jugendliche mögen zwar fit beim Gamen und Chatten sein, aber nicht, wenn es um den Computereinsatz für den Beruf geht."
IT-Kenntnisse gehörten zu den "Schlüsselkompetenzen" in den über 920.000 deutschen Handwerksbetrieben, erklärte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Sind schon die nackten Zahlen alarmierend genug, so zeigt auch die Haltung der Auszubildenden, welche Probleme die Handwerksbranche hat. Die Hälfte aller Auszubildenden zeigt nach Einschätzung der Befragten keine Motivation, die Defizite in punkto IT-Kenntnisse zu beheben.
Ein weiteres gravierendes Problem stellen die mangelnden Weiterbildungsmöglichkeiten in den Unternehmen selbst dar: Immerhin 26 Prozent der Personalverantwortlichen bieten den eigenen Azubis keine IT-Schulungen an. Auch die Qualität der Weiterbildungen ist nach Meinung der Befragten stark verbesserungswürdig: Über die Hälfte bewertet sie als nicht gut.
Zudem ist die Bedeutung von IT-Kenntnissen je nach Industriebranche unterschiedlich gewichtet: Während Lehrlinge in der Verwaltung zu 77 Prozent mit dem PC und dem Internet umgehen, wird in Handwerksunternehmen schon viel weniger am Computer gearbeitet. IT-Kenntnisse gehören hier vor allem in der Logistik und im Transportbereich (51 Prozent) und in der Verwaltung (46 Prozent) sowie der Produktion (43 Prozent) zum Handwerkszeug. (jm)

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