Faire Handys

Mobilfunkkonzerne in der Pflicht

Sonntag den 18.10.2009 um 15:14 Uhr

von pte

Das europäische Projekt makeITfair hat die Mobilfunkbranche dazu aufgefordert, stärker auf eine faire Produktion in ihrer Handy-Lieferkette zu achten. Dafür seien nicht alleine die Hersteller verantwortlich. "Die Netzbetreiber sind für unwürdige Bedingungen in der Handyproduktion mitverantwortlich", meint Cornelia Heydenreich, makeITfair-Koordinatorin und Referentin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch, im Gespräch mit pressetext.
Unterhaltungselektronik und Mobiltelefone würden zunehmend in Entwicklungs- oder Schwellenländern hergestellt. Jedes zweite Handy komme aus China. Angesichts ernsthafter ökologischer und sozialer Probleme in der Lieferkette von Handys bestehe ein Bedarf für eine verstärkte Verantwortungsübernahme - nicht nur seitens der Hersteller von Handys sondern auch von denjenigen, die Mobiltelefone vertreiben.

Mittlerweile hätten sich zwar viele Anbieter dazu verpflichtet, auf faire Arbeitsbedingungen in der Geräteproduktion ihrer Zulieferer zu achten. Die Umsetzung der Verpflichtungen würde hingegen zu wenig nachverfolgt. Dabei kommt den Mobilfunkbetreibern eine signifikante Rolle im Handygeschäft zu, da die meisten Verbraucher ihr Handy über die Anbieter beziehen. Bereits vor einem Jahr hatte makeITfair die unwürdigen Produktionsbedingungen in der Handyindustrie aufgezeigt.

makeITfair zufolge haben von 15 Netzbetreibern lediglich T-Mobile und Vodafone Niederlande Angaben dazu gemacht, in welchem Umfang sie bei ihren Lieferanten überprüft haben, ob Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden. Die Einhaltung von Standards sei jedoch von allen Anbietern einer Selbstprüfung sowie einer unabhängigen externen Begutachtung zu unterziehen, um die Handyproduktion fairer zu gestalten. "Als letzte Möglichkeit bleibt den Mobilfunkanbietern, keine Produkte mehr von unfair produzierenden Unternehmen zu beziehen", betont Heydenreich.

In die Überprüfung und Umsetzung von Verbesserungsplänen seien Arbeitnehmervertreter vor Ort mit einzubeziehen. Darüber hinaus sollten die Marketing-Abteilungen der Unternehmen nicht die Vermarktung von Handys forcieren. "Vielmehr müssten die Anbieter ihre eigenen Mobilfunkdienstleistungen vermarkten", so Heydenreich gegenüber pressetext. Zwar hätten die Mobilfunkanbieter bereits "einige Initiativen zur Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen entlang der Lieferkette entwickelt". Großer Handlungsbedarf bestehe jedoch weiterhin bei der Entwicklung, der Herstellung, der Vermarktung und beim Recycling von Handys.

Sonntag den 18.10.2009 um 15:14 Uhr

von pte

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