168614

Praktikanten-Ausbeutung ist Wettbewerbsnachteil

16.10.2008 | 13:31 Uhr |

Unternehmen, die Berufseinsteiger und Praktikanten bewusst ausnutzen und damit für sich als billige Arbeitskräfte missbrauchen, machen sich nicht nur strafbar, sondern vergeuden auch Wettbewerbsvorteile.

Das ist das Fazit der unlängst zu Ende gegangenen Konferenz "Gute Praktika: Vorsprung durch Fairness", bei der Vertreter der DB Mobility Logistics AG und der Bundesregierung in Berlin den Umgang mit jungen Fachkräften diskutierten. Zum besseren Schutz von heranwachsenden Insidern plädierten die rund 200 Besucher für bessere Rahmenbedingungen. Dies beinhaltet unter anderem den Vorschlag, dass Scheinpraktikanten künftig durch eine Beweis-Erleichterung ihren Vergütungsanspruch im Streitfall vor Gericht besser durchsetzen können. Zudem wird gefordert, dass sich Arbeitgeber, die bewusst Scheinpraktikanten beschäftigen, nicht wie bislang üblich unter Berufung auf Ausschlussfristen aus der Affäre ziehen können.

"Ob die Betriebe Praktikanten ausbeuten, hängt ganz entscheidend von der Branche ab. Wir beobachten dies vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich. Bei den Ingenieurberufen ist die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften jedoch so hoch, dass man sich ein solches Vorgehen nicht leisten könnte", verdeutlicht Sven Renkel, Sprecher des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), im Gespräch mit pressetext. Aktuellen Zahlen des VDI nach stieg die Anzahl offener Stellen bei Ingenieuren im Juni 2008 auf rund 96.000. Damit ist eine Verdopplung der gemeldeten Stellen zu verzeichnen - 2004 waren es "nur" 50.000. Vor allem angesichts des sich in Deutschland mehr und mehr abzeichnenden demografischen Wandels gewinnt ein fairer Umgang mit Praktikanten für die Unternehmen an Bedeutung.

So hat sich der deutsche Fachkräftemangel mit Blick auf den Technologiestandort inzwischen zu einem großen Problem entwickelt. Renkel nach ist der faire Umgang mit dem beruflichen Nachwuchs "für Unternehmen eine willkommene Möglichkeit, gut ausgebildete Kräfte noch während des Studiums an das Unternehmen zu binden". In jedem Fall würden sich die Firmen damit einen hohen Image- und Wettbewerbsvorteil verschaffen, so der Experte auf Nachfrage von pressetext. Um diese Möglichkeiten nutzen zu können, bedarf es laut der " Initiative Neue Qualität der Arbeit " (INQA), die unter anderem Veranstalter der Konferenz ist, eines entsprechenden Rüstzeugs. Ein wichtiges Kriterium, an das sich Unternehmen halten sollten, sei, dass diese keine Vollzeitstellen durch Praktika ersetzen.

Zudem sollte Berufseinsteigern eine echte Orientierungshilfe geboten werden. Die Vergabe von Praktika stellt für die Unternehmen laut den Insidern somit keine gesellschaftliche Pflichtübung, sondern vielmehr einen Teil ihrer strategischen Personalplanung dar, betonten die anwesenden Vertreter der Privatwirtschaft. Auch die unter den Personalern, Experten und interessierten Berufseinsteigern durchgeführte TED-Umfrage ergab, dass 84 Prozent der Meinung sind, dass sich Praktika vor allem bei der Rekrutierung junger Talente als adäquates Mittel erweisen. Hinzu komme laut den Fachleuten, dass sich der Kampf um die besten Köpfe noch weiter verschärfen wird. Berufseinsteiger würden sich darüber hinaus immer bewusster darüber, was ihre Arbeitsleitung wert ist, so das abschließende Fazit der Konferenz. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
168614