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Facebook-Kinderfotos: 18-Jährige verklagt ihre Eltern - ein Fake?

16.09.2016 | 12:55 Uhr |

Der Bericht über eine 18-Jährige, die ihre Eltern verklagt, weil diese seit 2009 ihre Kinderfotos auf Facebook posteten, ist offenbar nur ein Fake.

Update, 16.9.2016: Die österreichische Zeitschrift "Die ganze Woche" hatte über den Fall einer 18 Jahre alten Kärntnerin berichtet, die ihre Eltern verklagt haben soll, weil diese seit ihrem elften Lebensjahr Babyfotos von ihr auf Facebook posteten. Nun gibt es allerdings Zweifel an der Echtheit der Geschichte. Die von der Zeitschrift genannte Rechtsanwaltskanzlei, die die junge Frau angeblich vertritt, gab gegenüber einer Kärtner Zeitung an, von dem Fall erst aus den Medien erfahren zu haben. Bisher konnte auch kein Gericht in Österreich ausfindig gemacht werden, bei dem die Klage eingereicht wurde. Die in Wien ansässige Zeitschrift, die über den Fall berichtete, schweigt auf Nachfragen anderer Medien zu den genaueren Details. Den Artikel selbst verbreitet die Zeitschrift aber auch weiterhin noch in unveränderter Form in ihrer Online-Ausgabe.

Ursprüngliche Meldung vom 14.09.2016

Seit 2009 stellten die Eltern täglich immer wieder neue Kinderfotos ihrer Tochter auf Facebook online. Aus diesem Grund hat die mittlerweile 18-jährige Schülerin aus Österreich nun ihre Eltern verklagt, wie die österreichische Zeitung Die ganze Woche meldet.

"Ob ich auf dem Töpfchen saß oder nackt in meinem Kinderbettchen lag – jeder Schritt von mir wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht", so die junge Frau. Die Eltern begannen mit der Veröffentlichung der Babyfotos im Jahr 2009, als die Tochter noch 11 Jahre war. Dabei wurde das Mädchen laut eigenen Angaben nie gefragt. Als sie sich dann schließlich mit 14 Jahren bei Facebook anmeldete, sah sie, dass bereits über 500 Fotos aus ihrer Babyzeit auf Facebook veröffentlicht worden waren und über das Facebook-Konto der Eltern für über 700 Freunde sichtbar waren.

Das Mädchen forderte die Eltern bereits damals auf, die Kinderfotos zu löschen, doch die Eltern sollen sich geweigert haben. Nachdem sie nun 18 Jahre alt geworden ist, reichte sie eine Klage gegen die Eltern ein. Der Fall wird ab November vor Gericht verhandelt. Konkret fordert die betroffene junge Frau die Löschung der Fotos und eine Entschädigung. Laut dem in Österreich geltenden Datenschutzrecht droht den Eltern eine Strafe von bis zu 10.000 Euro.

Trotz der Klage weigern sich die Eltern auch weiterhin, die bereits veröffentlichten Kinderfotos ihrer Tochter auf Facebook zu löschen. "Ich sehe es als mein Recht an, diese Fotos veröffentlichen zu dürfen. Schließlich ist das unser Kind und es ist für meine Frau und mich ein schönes Familienalbum, das bei unseren Facebook-Freunden gut ankommt", so der Vater gegenüber der Zeitung. Immerhin werden keine neuen Fotos mehr hinzugefügt, weil "sie sich nicht mehr von uns fotografieren lässt", erklärte der Vater weiter. Er verwies darauf, dass die Babyfotos seiner Tochter nur der begrenzten Facebook-Gruppe der Freunde zugänglich gemacht wurden.

Die Chancen stehen gut für die Tochter, dass sie mit ihrer Klage gegen die Eltern wegen der Verletzung des Datenschutzrechts Erfolg haben wird. In Frankreich drohen in solchen Fällen sogar Strafen von bis zu 45.000 Euro. Auch in Deutschland können Eltern verklagt werden, wenn sie mit Babyfotos derart persönlichkeitsrechtsverletzende Inhalte ihres Kindes veröffentlichen. Kinder ab 14 Jahren müssen vor Veröffentlichung ihrer Fotos gefragt werden. Zu ähnlichen Verfahren aus dem privaten Bereich könnte es in Zukunft verstärkt auch in Deutschland kommen, weil Facebook und ähnliche Dienste noch nicht so lange existieren und die betroffenen Kinder gerade heranwachsen.

Im Oktober 2015 hatte die Polizei Hagen mit einem Facebook-Beitrag für Aufsehen in der Internet-Gemeinde gesorgt. Über Facebook wurde das Posting verbreitet: "Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten. Danke!" ( wir berichteten ). Der Beitrag wurde bis heute über 290.000 Mal geteilt und erreichte Millionen von deutschen Facebook-Nutzern.

Die Kinderfotos könnten später für die Kinder "endlos peinlich" sein oder sie könnten aufgrund der Fotos sogar gemobbt werden. Viel schlimmer noch: "Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solchen Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke bzw. veröffentlichen sie an anderer Stelle." Stattdessen empfahl die Polizei Hagen, die Fotos lieber nur in einem kleinen und persönlichen Kreis zu zeigen. "Es ist doch auch viel schöner, gemeinsam darüber zu sprechen und zu schmunzeln", so der Ratschlag.

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