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The Social Network - Kinokritik

07.10.2010 | 10:42 Uhr |

500 Millionen Freunde, viel Geld und Kokain - der Kinofilm The Social Network erzählt die Geschichte von Facebook. Und stellt die Frage: Ist Mark Zuckerberg ein Unsympath?

Handy abgeben, Metalldetektor durchschreiten und Tasche durchsuchen lassen - wer den Kinofilm "The Social Network" in der Journalisten-Preview sehen wollte, durfte kein fanatischer Verfechter von Privatsphäre und Datenschutz sein. Das gleiche gilt für Nutzer von Facebook - womit wir auch schon beim Thema des Films wären: Gründung und Aufstieg von Facebook.

Im Mittelpunkt steht natürlich der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Der Harvard-Student wird von Jesse Eisenberg ("Zombieland") gespielt. Zuckerberg selbst soll wenig erfreut über die Verfilmung sein. Bei Facebook habe er gar ein Werbeverbot für den Film angeordnet. Dabei kommt er im Großen und Ganzen gar nicht so schlecht weg: Regisseur David Fincher ("Fight Club") beschreibt ihn als intelligenten Computer-Nerd, der nur wenige Freunde hat.

Als direkt zu Beginn seine Freundin mit ihm Schluss macht, ihn sogar ein Arschloch nennt, beleidigt Zuckerberg sie öffentlich auf seinem Blog. Am Ende des Films attestiert ihm eine Kanzlei-Mitarbeiterin aber: "Du bist kein Arschloch" und sagt sinngemäß, dass er sich nur Mühe gebe, es so aussehen zu lassen. Zuckerbergs Reaktion ist sehr menschlich. Aber zurück zum Film-Beginn: Der ist etwas wirr. Den schnellen Schlagabtausch von Argumenten kann man fast nicht "Gespräch" nennen. Schon am Anfang ist klar, dass "The Social Network" kein gemütliches Popcorn-Kino ist.

Ein Hauptthema von "The Social Network" sind die Gerichtsverhandlungen im ConnectU-Fall. Ehemalige Kommilitonen beschuldigen Mark Zuckerberg ihre Idee gestohlen zu haben. Der Fall ist real, am Ende sollen 65 Millionen Dollar an die Kläger geflossen sein. Während die Gerichtsverhandlungen in der Gegenwart des Films spielen, springt "The Social Network" immer wieder zurück in der Zeit, um die Geschehnisse zu erzählen. Anfangs verwirren diese Zeitsprünge den Zuschauer.

"The Social Network" unterhält nicht nur, sondern vermittelt auch interessante Fakten. Wussten Sie, dass der Mitgründer von Napster , Sean Parker - gespielt von Justin Timberlake - Präsident bei Facebook war, bis er wegen Kokain-Besitzes verhaftet wurde? Oder haben Sie schon mal einen Blick ins Facebook-Impressum geworfen? Dort wird Eduardo Saverin als Mitgründer von Facebook aufgeführt. "The Social Network" erzählt, welchen Anteil Saverin (Andrew Garfield) an Facebook hatte und wie sich die einstigen Freunde Zuckerberg und Saverin am Ende vor Gericht gegenübersitzen.

Fazit: Bei "The Social Network" wird nicht versucht, mit einem großen Aufhänger (Facebook) schnelles Geld zu machen. Die schauspielerischen Leistungen und die trotz einiger Längen spannende Erzählweise sind das Kinogeld wert. Wer Kritik an den Privatsphäre-Einstellungen von Facebook erwartet, wird jedoch bitter enttäuscht sein: "The Social Network" ist vielmehr biografischer Natur, im Mittelpunkt stehen nicht die User, sondern die Gründer und Kontrahenten. Kinostart in Deutschland ist der 7. Oktober.

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