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Pleitewelle erfasst deutsche Unternehmen

11.12.2008 | 13:47 Uhr |

Die restriktive Kreditvergabepraxis der Banken führt zusammen mit dem Konjunktureinbruch zu einer Pleitewelle in Deutschland.

Dabei werden auch international tätige Großkonzerne so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es zu Massenentlassungen kommen wird. Dieses Fazit zogen Experten beim 1. Münchener Symposium für Unternehmenssanierung an der Ludwig-Maximilians-Universität . "Angesichts der Wirtschaftssituation ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Insolvenzen im kommenden Jahr größer sein wird als in diesem Jahr. Ob man allerdings den Begriff ,Konzernpleitewelle' gebrauchen muss, sei dahingestellt", erklärt Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der Direkt Anlage Service AG .

Dass sich die Konjunkturaussichten eintrüben, sehen auch andere Fachleute. In einer Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen-Instituts für Wirtschaftsforschung kommt man zu dem Ergebnis, dass der Bundesrepublik im kommenden Jahr der schlimmste Konjunktureinbruch seit 1949 bevorsteht. So rechnen die Wissenschaftler für 2009 mit einen Rückgang des BIP um zwei Prozent. "Derzeit deutet nichts wirklich auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage hin. Wenn es also im nächsten Jahr kracht - und davon ist auszugehen - dann wird dies nicht ohne Folgen bleiben. Auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit sollte man sich jedenfalls einstellen", sagt Hüfner.

Ähnlich beurteilten auch die Fachleute auf dem Symposium für Unternehmenssanierung die aktuelle Wirtschaftssituation Deutschlands. Käme es zu einem Wegfall von Finanzierungen durch die Kreditinstitute und Großbanken, würden auch bisher gesunde Unternehmen in die Insolvenz getrieben, sagt der Insolvenzverwalter Michael Jaffé für 2009 voraus. Fachleute appellieren in letzter Zeit vor allem an die Politik, da derzeit die Liquiditätssicherung sowie der Kampf um das nackte Überleben im Vordergrund stehen. "Die Auftragseingänge flachen bereits im laufenden vierten Quartal in einigen Branchen deutlich ab. Dies wird sich weiter fortsetzen. Insofern bedarf es eines international vereint koordinierten Konjunkturpakets, da die deutsche Wirtschaft den Großteil der Umsätze im Export erwirtschaftet", so Hüfner.

Einer aktuellen Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform nach, werden die Firmeninsolvenzen 2008 leicht auf 29.800 klettern. 2009 wird hingegen mit bis zu 35.000 Firmenpleiten gerechnet. Aus diesem Grund plädiert Rechtsanwalt Jaffé dafür, dass Änderungen im Insolvenzrecht sowie außergerichtliche Sanierungsverfahren angestrebt sollten, um die bevorstehende Flut von Firmenschieflagen besser abzuwickeln. Davon abgesehen geht der Insolvenzverwalter 2009 von "aggressiven Insolvenzen" aus, da Käufer für pleitegegangene Unternehmen fehlten. Das Rheinisch-Westfälische-Institut für Wirtschaftsforschung sieht eine Erholung der deutschen Wirtschaft erst Ende 2009. Besonders der Export wird in den kommenden zwölf Monaten deutliche Einbußen hinnehmen müssen. (pte/jp)

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