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Aktion scharf gegen Raubkopierer

02.05.2010 | 14:41 Uhr |

Die Vorbereitungen zur Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai halten die chinesischen Behörden schon seit Monaten in Atem. Um den geschätzten 100 Mio. Besuchern der Großveranstaltung ein möglichst "sauberes" Stadtbild präsentieren zu können, hat man es vor allem auf die florierende Produktpiraterieszene abgesehen.

In den vergangenen Wochen ließ die Regierung sogar spezielle Inspektoren ausrücken, die dafür sorgen sollen, dass die enorme Fülle an illegal kopierten DVDs und CDs aus den Regalen der Shanghaier Läden verschwindet. Trotz aller Bemühungen scheint das harte Vorgehen der chinesischen Behörden bislang aber keine nennenswerten Früchte zu tragen. Einem Bericht der New York Times zufolge haben sich die Produktpiraten bereits auf die verschärfte Situation eingestellt. Sie bieten ihre Raubkopien nun nicht mehr offen ersichtlich in den Auslagen ihrer Geschäfte an, sondern führen interessierte Kunden einfach in separate Hinterzimmer, wo das illegale Material stapelweise gelagert wird.

"Das Problem der physischen Produktpiraterie ist länderspezifisch zu sehen. Während es in westlichen Industriestaaten wie der Schweiz kaum vorkommt, dass illegal kopierte Tonträger auf der Straße angeboten werden, hat sich dieser Bereich vor allem in einigen asiatischen Ländern mittlerweile zu einem eigenen Industriezweig entwickelt", erklärt Beat Högger, Sprecher des Verbands der Schweizer Musikwirtschaft IFPI , im Gespräch mit pressetext.

Hierzulande habe sich der Kampf gegen Piraterie inzwischen weitestgehend ins Internet verlagert. "Das Web ist heute ein weitaus größeres Problem als der physische Sektor", betont Högger. Das bedeute aber keinesfalls, dass man den physischen Pirateriekampf vernachlässigen würde. "Wir arbeiten eng mit Presswerken und Zollbehörden zusammen, um zu verhindern, dass illegale Tonträger in der Schweiz gedruckt oder aus dem Ausland eingeführt werden. Zudem gibt es regelmäßig stichprobenartige Kontrollen in Verkaufsgeschäften und auf Schallplatten-Börsen", stellt Högger klar.

Dass die Produktpiraterieszene in Shanghai ihr Geschäft trotz strenger Inspektionen der Behörden aufrechterhalten kann, ist auch Ausdruck ihres enormen wirtschaftlichen und politischen Einflusses. Vertreter der Filmindustrie Hollywoods werfen den chinesischen Behörden sogar offen vor, lediglich ein medienwirksames "Schein-Druchgreifen" im Rahmen der Expo zu inszenieren und in Wirklichkeit mit den Köpfen der Raubkopierer unter einer Decke zu stecken.

(pte)

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