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Experten: Die Internet-Gefahren von Morgen

Die Vernetzung der Welt schreitet voran, und damit werden auch die Gefahren mobiler. Völlig neuartige Schadprogramme erwarten Sicherheitsexperten zwar nicht, doch bösartige Viren, Würmer und Trojaner werden so schnell auf den Datenautobahnen reisen, dass Surfen ohne Sicherheitsnetz auch weiterhin ein Traum bleiben wird.

Die so genannte Malware passt sich der wandelnden Kommunikationswelt an: "Die Programme werden immer raffinierter", sagt Michael Dickopf, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Allerdings sind hier kriminelle Köpfe am Werk. "Früher handelten die Täter oft aus reinem Geltungsdrang. Sie wollten zeigen: Hallo, hier bin ich", sagt Dickopf. Heute würden Trojaner Programme, die im Verborgenen arbeiten und auch unbemerkt andere Programme nachladen - für bestimmte Einsatzzwecke geschrieben und in ein Firmennetzwerk geschleust.

Und das ist meist nur das Vorspiel: Was nach Ansicht von Ralf Benzmüller, Virenforscher beim Softwarehersteller Gdata in Bochum, in Zukunft immer häufiger folgen wird, nennen Kriminologen schlicht Erpressung: Denkbar ist Benzmüller zufolge, dass alle Word-Dokumente verschlüsselt und erst nach Bezahlen der Entschlüsselungssoftware wieder verfügbar werden.

Eine große Gefahr für private Computernutzer wird auch sein, dass der Rechner unbemerkt Teil eines gekaperten Netzes werden kann. Der Rechner beteiligt sich dann an der Versendung von Spam, Würmern oder auch an DoS-(Denial of Service)-Attacken. Dabei handelt es sich um Angriffe auf einen Server, um ihn durch Überlastung lahm zu legen.

Ein neuer Trend sind Virenforscher Benzmüller zufolge Mails, die statt gefährlicher Dateianhänge Links zu gefährlichen Webseiten enthalten. Beim Öffnen dieser Internetseiten wird der eigene Rechner dann mit einer ausführbaren Exe-Datei infiziert.

Mit dem noch vergleichsweise sicheren Surfen mit mobilen Geräten wie Handys, PDA oder Smartphones wird es auch bald vorbei sein: Je weiter sich der Siegeszug des Betriebssystems Symbian bei mobilen Geräten fortsetzt, desto größer werde das Risiko für den Nutzer, warnt Dickopf. "Je höher der Grad der Monokultur, desto leichter können sich Schadprogramme ausbreiten."

Ein viel näher liegendes Risiko wird dagegen häufig unterschätzt: "Die neue Gefahr bei kleinen, mobilen Geräten ist, dass sie leicht geklaut werden können oder verloren gehen", warnt Prof. Norbert Pohlmann vom Institut für Internetsicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen. Im schlimmsten Fall sind dann auch wichtige Dokumente und Zugangspasswörter verschwunden.

Passwörter sind für den Sicherheitsexperten das Stichwort für ein weiteres Problem, das in Zukunft immer drängender werden wird: "Wir haben kein Identity-Management", sagt Pohlmann. Weil viele Nutzer den Überblick verlieren über ihre Benutzerkonten, setzen sie die Passwörter überall gleich. Gelangt ein Krimineller an ein einziges Passwort, braucht er nicht viel Fantasie, um dies bei eBay, Amazon, der Bank oder der Bahn auszuprobieren.

Mit dem Surfen im Internet wird es sich nach Pohlmanns Ansicht in Zukunft so verhalten wie mit dem Straßenverkehr: Damit möglichst alle sicher und schnell ans Ziel kommen, muss es strenge Regeln geben.

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