Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

2114391

Experiment: Selbstfahrende Autos lassen sich austricksen

07.09.2015 | 11:21 Uhr |

Hacker können den Lidar eines selbstfahrenden Autos täuschen und das autonome Auto zum Anhalten zwingen. Oder es zu unvorhersehbaren Ausweichmanövern veranlassen.

Damit Autos autonom beziehungsweise vollautomatisiert ohne Eingriffe des Fahrers fahren können, müssen die Fahrzeuge ihre Umgebung mit Sensoren erfassen. Dafür gibt es Kameras (auch in Stereoausführung), Ultraschallsensoren, Radarsensoren und Lidar - Light detection and ranging. Bei Lidar werden im Unterschied zum Radar keine Radiowellen, sondern Laserstrahlen zur Erfassung von Objekten verwendet. Ein Lidar sendet Laserimpulse aus und empfängt dann das zurückgestreute Licht. Damit kann das Auto Hindernisse erkennen.
 
Die selbstfahrenden Google-Autos (sowohl die umgebauten Serienmodelle von Lexus als auch das komplett neu entwickelte Ei-förmige Google-Auto, das in den USA auch als Koala-Car bezeichnet wird) beispielsweise verwenden Lidar. Diese Lidar-Konstruktion kostet mehrere Tausend Euro. Doch Hacker können die Lidar-Technik offensichtlich mit einer nur 60 Dollar (54 Euro) teuren Konstruktion austricksen, wie die englischsprachige Wissenschaftsseite IEEE Spectrum mit allen technischen Details berichtet.

Mit der selbstgebauten Konstruktion, die die Sicherheitsexperten mit einem Pulse-Generator aufsetzten, ließ sich ein IBEO Lux Lidar irritieren. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um einen Laserpointer, der den Lidar täuscht. Die Experten betonen, dass für die Umsetzung eines solchen Lidar-Täuschers ein Raspberry Pi oder Arduino ausreichen würde.

Damit konnten die Hacker die Signale, die ein echtes Auto, ein echter Fußgänger oder eine echte Mauer an den Lidar zurückliefern würden, anscheinend nachahmen. Zumindest behaupten das die Tüftler. Sie könnten demnach mit ihre Konstruktion an jeder beliebigen Stelle ein Lidar-basiertes autonomes Auto verwirren. Und beispielsweise unvermutete Vollbremsungen oder Ausweichmanöver verursachen. Und damit andere Verkehrsteilnehmer und auch die Insassen des selbstfahrenden Autos gefährden.
Wenn besondere viele solcher Fake-Signale auf das autonome Auto geschickt gerichtet würden, müsste es faktisch zum Stillstand kommen, weil es überall um sich herum Hindernisse vermutet.

Die Sicherheitsexperten konnten laut eigener Aussage in ihren Experimenten den Lidar bis zu einer Entfernung bis zu 100 Metern austricksen. Und zwar von allen Seiten.

Einschränkend muss aber gesagt werden, dass die Sicherheitsexperten ihre Experimente nur mit einem konkreten Lidar-Modell machten: Dem IBEO Lux lidar. Und dass sie kein autonomes Auto tatsächlich irritieren konnten, ihre Experimente fanden nur mit einem getrennt von einem Auto aufgebauten IBEO Lux Lidar statt. Zudem besitzen moderne Selbstfahr-Autos noch viel mehr Sensoren, die Test-Fahrzeuge beispielsweise von BMW verwenden durchwegs auch Kameras zur Objekterkennung. Und Radar kommt ebenfalls zum Einsatz.

Video: Mercedes F015 Konzept-Auto ausprobiert
0 Kommentare zu diesem Artikel
2114391