2198482

Experiment: AGBs lesen dauert bis zu 24 Stunden

24.05.2016 | 15:03 Uhr |

Das genaue Lesen der Geschäfts- und Lizenzbestimmungen populärer Apps mehr als 24 Stunden in Anspruch nehmen.

Wollen Smartphone-Nutzer eine neue App installieren oder sich für einen Online-Dienst anmelden, müssen sie in der Regel den AGBs und Lizenzbestimmungen der Entwickler zustimmen. Die wenigsten werden sich dabei die Zeit nehmen, die Textflut tatsächlich von Anfang bis Ende durchzulesen, stattdessen klicken sie auf „OK“ und bestätigen die Bedingungen damit blind. Welche Fallstricke sich in den AGBs verbergen, kommt meist erst später durch die Recherchen von Presse oder Verbraucherschutzorganisationen ans Licht.

Wie absurd lang und verklausuliert die AGBs und Lizenzbestimmungen populärer Apps und Dienste sind, beweist die norwegische Verbraucherschutzorganisation Norwegian Consumer Council in einem aktuellen Experiment. Die Organisation hat sich die Lizenzvereinbarungen von Apps heruntergeladen, die auf dem Smartphone des Durchschnittsnutzers installiert sind. Im Live-Stream auf der Website der Organisation werden die Texte von Verbrauchern laut vorgelesen. Das Fazit des Norwegian Consumer Council: Die AGBs schlagen zusammengenommen sogar das Neue Testament und man braucht mehr als 24 Stunden, um sie vorzulesen.

AGB im Internet: Was sind die rechtlichen Folgen?

Mit dem Experiment will die Organisation belegen, dass viele Verbraucher gar keine Zeit haben, die AGBs tatsächlich zu lesen, bevor sie „OK“ klicken. Der durchschnittliche Nutzer in Norwegen hat rund 33 Apps auf seinem Smartphone. Zählt man die zugehörigen AGBs zusammen, wären sie mehr als 250.000 Wörter lang.

Es bleibt abzuwarten, ob die Message des Norwegian Consumer Council tatsächlich bei den App-Entwicklern ankommt. Die Organisation fordert die Kürzung der Geschäfts- und Lizenzvereinbarungen und eine verständliche Formulierung. Laut dem österreichischen Juristen Max Schrems, der im vergangenen Jahr gegen Facebook geklagt hatte, seien die verwendeten Klauseln nicht nur unnötig unverständlich, sondern nach europäischem Recht auch teilweise illegal.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2198482