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Expedia will größter Reisevermittler der Welt werden

22.02.2007 | 10:52 Uhr |

Der amerikanische Online-Touristikanbieter Expedia macht großen Reisekonzernen wie TUI und Thomas Cook zunehmend das Geschäft streitig und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

"Wir wollen der größte und ertragreichste Reisevermittler der Welt werden", sagte Konzernchef Dara Khosrowshahi der "Süddeutschen Zeitung". Expedia ist das größte Internetreisebüro der Welt. "Wir haben uns auf Ferienreisen spezialisiert", so der Expedia-Chef.

Ernstzunehmende Gegner in Deutschland sieht Khosrowshahi vor allem in den klassischen Reisekonzernen TUI oder Thomas Cook, die Reiseagenturen betreiben, aber auch Beteiligungen an Hotels und Fluggesellschaften halten. Von diesem Geschäftsmodell hält der 37-jährige Expedia-Chef nicht viel. "Wir verstehen uns als reinen Vermittler, der Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Aus allem anderen halten wir uns raus. Hotelbetreiber verstehen ihr Geschäft viel besser, als wir es je könnten." Welchen Marktanteil Expedia in Deutschland erreicht hat, will er nicht sagen, "aber wir sind Thomas Cook und TUI auf den Fersen". Beim Umsatz habe die deutsche Tochter Expedia.de in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 50 Prozent zugelegt.

Insgesamt ist der Markt für Onlinereisen auch hierzulande in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Allein 2006 buchten Internetnutzer Reisen im Wert von 12,1 Milliarden Euro; das ist nach Angaben des Beratungsunternehmens Ulysses-Web-Tourismus ein Drittel mehr als noch im Vorjahr. Verlierer sind vor allem die klassischen Reisebüros, die wegen sinkender Provisionen immer weniger verdienen. Pro Jahr geben daher etwa 1000 dieser Agenturen auf; die Bundesrepublik gilt als Land mit der höchsten Dichte an Reisebüros weltweit. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden von den 12.000 heute existierenden Reisebüros noch 5000 bis 6000 übrig bleiben", erwartet Khosrowshahi.

Reisekonzerne wie TUI oder Thomas Cook haben das Internet dem Bericht zufolge als Vertriebsmöglichkeit erst sehr spät entdeckt. Ihren Rückstand konnten sie bis heute nicht aufholen. "Expedia hat inzwischen zehn Jahre Erfahrung in diesem Geschäft, und wir sind den Konkurrenten in diesem Punkt weit voraus", meint Khosrowshahi. (dpa/tc)

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