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PC-WELT-Redakteur im ICE-Pannen-Zug gefangen

Montag den 23.08.2010 um 12:08 Uhr

von Benjamin Schischka

PC-WELT-Redakteur Benjamin Schischka saß im Pannen-Zug - Exklusiv-Foto
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Triebwerkschaden, Hitze-Kollaps, Finsternis - gestern blieb ein ICE in einem Tunnel stecken. Ein PC-WELT-Redakteur war live dabei.
Sonntagnachmittag blieb ein ICE im Pulverdinger Tunnel zwischen Mannheim und Stuttgart für mehrere Stunden stecken - noch am Abend berichtete unter anderem die Tagesschau über dieses erneute Bahn-Desaster. Durch Zufall saß auch ich - auf dem Rückweg von der Gamescom 2010 - im Pannen-Zug und konnte bei der anschließenden Evakuierung sogar ein Foto machen.

Zuerst ging die Klimaanlage aus, nach einiger Zeit schalteten sich die Lichter ab und die Notbeleuchtung hüllte das Abteil in diffuses Licht. Schnell wurde es immer wärmer und während ich mir mit einem Fahrtenplan Luft zufächerte, musste ich an die ausgefallenen ICE-Klimaanlagen im Juni denken. So schlimm wird’s hoffentlich nicht werden, denke ich, als eine Ersthelferin an mir vorbeieilt. Weiter vorne habe jemand Kreislaufschwierigkeiten, heißt es. Nur etwas später klappt jemand im Wagen hinter mir zusammen. Ich eile in die Richtung, in die die Ersthelferin verschwunden ist, komme aber nicht durch. An der zwecks Frischluft geöffneten Tür hat sich ein Menschenpulk versammelt. Ich bitte jemanden von der anderen Seite, die Helferin zu suchen und jemand macht sich auf den Weg.

Ärgerlich fand ich, dass Getränke zu Anfang noch verkauft wurden. Erst als das Licht bereits aus war, erfuhr ich zufällig, dass es im Bordrestaurant Wasser gebe. Eine diesbezügliche Durchsage habe ich nicht vernommen und verteilt hat das Wasser auch keiner.

Zwischenzeitlich versucht eine von Stuttgart herbeigerufene Ersatzlokomotive die Bahn in den nächsten Bahnhof zu ziehen. Als der Zug nach fast einer Stunde endlich ins Rollen kommt, ertönen Jubelrufe. Nur ein paar hundert Meter weiter bleibt der Zug plötzlich wieder stehen - Enttäuschung macht sich breit. Das Abschleppmanöver ist gescheitert.

Nach einigen Stunden Schwitzen und Ausharren verbreitet sich die Nachricht von Mund zu Mund: Alle sollen aussteigen. Durchsage gab es wieder keine. Beim Aussteigen freue ich mich zunächst über die Tunnelkühle und schieße das besagte Foto. Ich beobachte wie Passagiere und Bahnangestellte eine alte Frau vom Ausgang auf den recht tiefen Tunnelboden heben. An jedem Ausgang stehen bereits mindestens zwei Helfer. Etwa 100 bis 150 Meter weiter wartet ein Ersatzzug. Bis alle eingestiegen sind, soll es noch einige Zeit dauern. Immerhin stehen hier gekühlte Getränke bereit und es warten weitere medizinische Helfer. In München komme ich mit mehr als vier Stunden Verspätung an.

Montag den 23.08.2010 um 12:08 Uhr

von Benjamin Schischka

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