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Denn sie wissen nicht, was sie tun

30.01.2008 | 09:19 Uhr |

Mittelpunkt des 2. Europäischen Datenschutztags stand das mangelnde Bewusstsein bei Jugendlichen für ihre eigene Privatsphäre und für die anderer. Sie stellen oft selbst privateste Informationen offen ins Netz.

Auf Initiative des Europarats hat am 28. Januar zum zweiten Mal der Europäische Datenschutztag stattgefunden. Das Datum markiert den Jahrestag der Unterzeichnung der Europaratskonvention 108 zum Datenschutz im Jahr 1981. Neben Veranstaltungen in den Bundesländern haben der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar, sowie der Berliner Beauftragte für den Datenschutz, Alexander Dix, eine zentrale Veranstaltung in Berlin durchgeführt. Das Thema: "Web 2.0 - Datenschutz 2.0".

Datenschutz dringt bei vielen erst ins Bewusstsein, wenn sie in eine Datenschutzfalle getappt sind. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, an die sich die Berliner Veranstaltung in der Robert-Jungk-Oberschule ausdrücklich gerichtet hat, ist eine stärkere Sensibilisierung für die eigene Privatsphäre und für die anderer notwendig. So werden etwa Lehrer oder Mitschüler in peinliche Situationen gebracht und mit dem Handy fotografiert oder gefilmt. Die Bilder und Videos landen dann ohne das erforderliche Einverständnis der Betroffenen frei zugänglich im Web.

In sozialen Netzwerken wie zum Beispiel StudiVZ, SchülerVZ oder Myspace geben viele Jugendliche bedenkenlos ihre privaten Daten preis, stellen Fotos von sich und anderen ins Netz oder äußern ihre Meinung. Sie haben offenbar kein Bewusstsein dafür, dass ihre Privatsphäre damit nicht nur für ein paar Freunde offen liegt. Bilder, Videos und allerlei Meinungsäußerungen bleiben viele Jahre gespeichert und frei verfügbar, jeder kann sie herunterladen und auf anderen Websites veröffentlichen - auch wenn dies wiederum unzulässig ist.

Auch professionelle Datensammler, Werbetreibende oder gar Sexualstraftäter können etwas mit diesen Daten anfangen. Potenzielle Arbeitgeber können im Web nach Informationen über Bewerber für Ausbildungplätze suchen und werden oft fündig - nicht unbedingt zum Vorteil der Bewerber.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte, Hartmut Lubomierski, hat auf der Website des Virtuellen Datenschutzbüros einen lesenswerten Aufsatz zum Europäischen Datenschutztag veröffentlicht . Darin kritisiert er nicht nur die ausufernde Datensammel- und Überwachungswut von Behörden und Unternehmen, er fordert auch die Bürger auf sich das nicht gefallen zu lassen. Er erinnert an die heftigen Proteste gegen die Volkszählung in den 1980er Jahren. Heute gebe es hingegen kaum Widerstand gegen die viel umfangreichere Datenerfassung, weil sie weitgehend verdeckt stattfinde.

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