26.11.2008, 16:03

Frank Ziemann

EstDomains ist raus

281.000 Domains ziehen nach Indien um

Die ICANN hat die Kündigung des in Verruf geratenen Domain-Registrars aus Estland durchgezogen. Jetzt werden die bei EstDomains registrierten 281.000 Domains zu einem Registrar in Indien transferiert.
Das in den USA registrierte estnische Unternehmen EstDomains hat sich unter Sicherheitsfachleuten einen zweifelhaften Ruf erworben. Als Domain-Registrar hat es viele Domains für Phisher, Spammer und andere Online-Kriminelle verwaltet. Die Internet-Verwaltungsorganisation ICANN hat die Kündigung der Zulassung als Registrar trotz aller Unkenrufe durchgezogen und auch einen neuen Registrar gefunden, zu dem die etwa 281.000 bislang von EstDomains verwalteten Domains transferiert werden.
Als die ICANN vor einigen Wochen erfuhr, dass der Chef von EstDomains von einem estnischen Gericht wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt worden war, sah man die Gelegenheit gekommen, den als Helfershelfer von Online-Kriminellen ins Zwielicht geratenen Registrar aus dem Verkehr zu ziehen. Unter dem Beifall der Sicherheitsbranche kündigte man wegen dieser Verurteilung den Vertrag mit EstDomains.
Doch die Esten gaben so schnell nicht auf und legten Widerspruch ein. Die ICANN stoppte das Verfahren zunächst, um die neue Sachlage und die Angaben des Geschäftsführers von EstDomains zu prüfen. Doch bald setzte die ICANN den Entzug der Akkreditierung wieder fort ohne auf die Argumente der Esten weiter einzugehen. Das Vertragsverhältnis endete wie vorgesehen am 24. November.
Inzwischen hat die ICANN auch bekannt gegeben, dass der in Indien ansässige Vertragsregistrar Directi Internet Solutions den Zuschlag als neuer Registrar für die bei EstDomains verwalteten Domains erhalten hat. Alle betroffenen Domain-Inhaber werden von Directi angeschrieben, um den für sie kostenlosen Umzug zu organisieren.
Directi selbst hat ähnlich wie EstDomains in der Vergangenheit nicht nur seriösen Kunden gedient, schiebt dies allerdings auf einige seiner Reseller (Wiederverkäufer). Im Unterschied zu den Esten haben die Inder jedoch offenbar glaubwürdige Schritte unternommen, um diesen Pfad zu verlassen. So hat Directi im Oktober etwa 175.000 missbräuchlich genutzte Domains suspendiert. Man wolle in Zukunft mit Ermittlungsbehörden und Sicherheitsfachleuten kooperieren und sogar selbst nach Beschwerden über bei Directi registrierte und für kriminelle Zwecke genutzte Domains Ausschau halten.
Der Umzug der Domains zu Directi soll bis zum 1. Dezember abgeschlossen werden.
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