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Esport wird immer populärer

"Tooor!" Ein Jubelschrei geht durch die Tribüne. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist gegen die Auswahl Russlands in Führung gegangen. Doch den Treffer hat nicht Michael Ballack erzielt: Er geht auf das Konto eines Computerspielers auf der Messe "Games Convention" in Leipzig. Die Zuschauer können dank einer Übertragung auf eine Großleinwand mitfiebern. Es geht um das "European Nations Championship" im Spiel "FIFA 2005".

"Esport" ist das Stichwort, unter dem immer mehr Fans zahlreicher Spiele gegeneinander antreten - organisiert in verschiedenen Ligen, meist vor dem Rechner, zunehmend auch vor der Konsole. "Wir schätzen, dass es in Deutschland derzeit etwa eine Million Spieler gibt, die in rund 35.000 Teams organisiert sind", sagt Frank Sliwka vom Deutschen Esport-Verband (esb) in Berlin - Tendenz deutlich steigend.

Auch wenn die Bezeichnung Esport dies vermuten lassen könnte: Es sind bei weitem nicht nur Sport-Titel wie "FIFA 2005", in denen sich die Gamer messen: Zum Repertoire gehören auch Egoshooter wie "Counter Strike" oder das Strategiespiel "War Craft III". "Es gibt schließlich verschiedene Kennzeichen für Sport - eines davon ist der Wettkampf", erklärt Frank Sliwka. Und ein Computer-Wettkampf ist eben nicht nur mit einem Fußball-Spiel, sondern auch mit einem Egoshooter möglich.

"Außerdem gibt es im Esport Teams wie im professionellen Sport", erläutert Florian Brich von der in München erscheinenden Zeitschrift " GamePro ". "Das reicht bis hin zu Nationalmannschaften mit eigenen Trikots." Auffälligster Unterschied zum "echten" Sport: Die Teams, deren Mitglieder sich häufig auf unterschiedliche Spiele konzentrieren, nennen sich Clans.

"Deren Untergruppen sind die Squads. Die sind jeweils auf ein bestimmtes Spiel spezialisiert", erklärt Hans-Jürgen Werner von Intel in Feldkirchen bei München. Der Prozessor-Hersteller sponsert die in rund zwei Dutzend europäischen Ländern ausgetragene Electronic Sports League (ESL). Deren großes Finale wiederum ist das "European Nations Championship", das zuletzt auf der "Games Convention" stattfand.

Die ESL ist gemeinsam mit den " World Cyber Games " (WCG) die größte in Deutschland vertretene Liga. Allein die WCG hat hier zu Lande rund 160.000 Spieler, sagt Thomas von Treichel, Sprecher der Vertretung in Groß-Gerau (Hessen). Beide Ligen tragen die Qualifikationen online aus, ehe sich die besten Gamer zu Live-Wettkämpfen treffen.

"Neben den beiden gibt es rund zehn weitere wichtige Ligen, etwa die Giga Liga", erklärt Frank Sliwka. "Einige von ihnen sind reine Online-Ligen." Hinzu kommen Veranstaltungen wie die Ende Oktober erstmals in Frankfurt/Main ausgetragene "Olymptronica". Dabei kamen laut Organisator Gaetano Rizzo rund 200 Gamer zusammen.

Der Ursprung der Esport-Bewegung liegt Rizzo zufolge in einer Zeit, in der an Online-Wettkämpfe nicht zu denken war, da noch kein Privatanwender das Internet nutzen konnte: "Ich würde sagen, das gibt es mindestens seit Anfang der neunziger Jahre." Schon damals trafen sich zum Beispiel Fans des Fußball-Titels "Kick Off 2" für den Commodore Amiga und spielten gegeneinander. Der Begriff Esport kam dann Ende der Neunziger in Deutschland auf - im Zusammenhang mit den LAN-Partys, wie Florian Brich von "GamePro" erläutert.

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