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Google stoppt Selbst-Zensur in China

23.03.2010 | 09:50 Uhr |

Google hat damit aufgehört, die Suchergebnisse seiner Dienste in China zu zensieren. Das hat das Unternehmen nun bekannt gegeben und legt es damit auf eine Konfrontation mit der chinesischen Regierung an. Auch um seine Mitarbeiter in China macht sich Google sorgen.

Auf Google.cn werden laut Angaben von Google nunmehr keinerlei Inhalte zensiert. Das betrifft sowohl die Suchergebnisse als auch alle über Google News und Google Images auf Google.cn ausgelieferten Inhalte.

Erreicht wird dies dadurch, dass alle Besucher von Google.cn nunmehr auf Google.com.hk umgeleitet werden. Über diese URL bietet Google eine unzensierte Suche auf Hochchinesisch (simplified Chinese) an und die Server hierfür stehen in Hong Kong. Außerdem wird über die Website auch wie bisher eine unzensierte Suche in traditioneller chinesischer Langzeichenschrift angeboten. Google weist darauf hin, dass die Umleitung für einen erhöhten Traffic auf die Google-Server in Hong Kong sorgen wird, die vorübergehend zur Beeinträchtigung der Dienste führen könnten.

Laut Google wollte die chinesische Regierung nicht über eine Selbst-Zensur der Google-Suchmaschine verhandeln. Aus diesem Grund habe man sich bei Google für die Umleitung des Dienstes auf Server in Hong Kong entschieden. "Wir hoffen sehr, dass die chinesische Regierung unsere Entscheidung respektiert, obwohl wir uns darüber im Klaren sein, dass es jederzeit dazu kommen könnte, dass der Zugriff auf unsere Dienste blockiert wird", heißt es im offiziellen Google-Blog.

Google hat eine neue Website eingerichtet, auf der jederzeit eingesehen werden kann, welche Google-Dienste innerhalb von China erreichbar sind. Die Website wird regelmäßig aktualisiert.

Scheinbar sorgt sich Google auch um seine Mitarbeiter in China und weist ausdrücklich darauf hin, dass die Entscheidungen von Führungskräften in den USA getroffen wurden. "Keiner unser Mitarbeiter in China sollte dafür verantwortlich gemacht werden. Trotz aller Ungewissheiten und Schwierigkeiten habe (..) sie sich weiterhin darauf fokussiert, den chinesischen Kunden und Anwendern zu dienen. Wir sind unheimlich stolz auf sie", so Google.

Google hatte Mitte Januar publik gemacht, dass das Unternehmen selbst und mehr als 20 weitere US-Unternehmen von China aus per Cyber-Attacke angegriffen worden waren. Bei Google wurden dabei Dutzende Google-Mail-Konten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten angegriffen. Dieser Vorfall sorgte dafür, dass Google den Stopp seiner Selbst-Zensur in China ankündigte.

Abzuwarten bleibt, wie sich der Fall entwickelt. Bei einer Blockierung von Google in China droht eine Eskalation des Streits. Das chinesische Außenministerium hat bereits verlauten lassen, dass der Fall nicht politisiert werden sollte. Der Fall soll aufgrund der in China geltenden Gesetze gelöst werden.

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