27.03.2012, 11:45

Panagiotis Kolokythas

Erstes Interview

Megaupload-Gründer Schmitz sieht sich als politisches Opfer

Kim Schmitz (rechts) vor Gericht

Der Megaupload-Gründer Kim "Dotcom" Schmitz hat sein erstes Interview seit der Megaupload-Schließung gegeben. Schmitz sieht sich vor allem als politisches Opfer in dem ganzen Fall.
Anfang 2012 wurde der Filehoster Megaupload geschlossen und dessen Gründer Kim "Dotcom" Schmitz festgenommen. Mittlerweile befindet sich Schmitz auf Kaution auf freiem Fuß, ist Vater von Zwillingen geworden und bereitet sich auf das Verfahren gegen ihn vor. Die Vorwürfe lauten Urheberrechtsverletzungen, Geldwäsche und kriminelle Geschäfte. In seinem ersten, langen Interview bezeichnet Kim Schmitz die Vorwürfe als "Nonsens". Das Gespräch führte Schmitz per Telefon aus Australien mit der Website Torrentfreak.com
Schmitz selbst sieht sich als unschuldig und will in dem kommenden Verfahren vor Gericht beweisen, dass Megaupload ein legaler Online-Dienst war, der aufgrund von Druck von der US-Regierung und damit aus politischen Gründen geschlossen wurde. Als Beispiel führt er an, das die US-Regierung ihm persönlich in der Anklageschrift vorwerfe, am 3. Dezember 2006 einen Song von 50 Cent über Megaupload illegal verbreitet zu haben. Im Interview mit Torrentfreak.com erklärte Schmitz, dass er diesen Song legal erworben.
Beim Testen einer neuen Upload-Funktion im privaten Rahmen habe er dazu zufällig eine Datei auf seinem Rechner ausgewählt, bei der es sich um den Song gehandelt habe. Über die Mail-Funktion von Megaupload habe er seinem CTO (Chief Technology Officer) eine Mail mit dem Link zum Megaupload-Download des Songs gesendet, bei der die Dateibezeichnung "test" lautete. Unterm Strich habe er also den Download nicht öffentlich verbreitet, sondern wollte die neue Megaupload-Funktion nur testen. Über den besagten Link sei der Song auch niemals heruntergeladen worden. Im betreffenden Fall, so Schmitz weiter, sei die US-Gerichtsbarkeit auch gar nicht zuständig, denn er habe den Song über eine philippinische IP-Adresse auf einem europäischen Server hoch geladen. Auch die Vorwürfe, er habe einen Song von Louis Armstrong illegal über Megaupload verbreitet, seien falsch.
Ein anderer Vorwurf lautet, Megaupload habe die Urheberrechteigentümer aktiv daran gehindert, ihre geschützten Inhalte von Megaupload zu entfernen. So sei es beispielsweise Warner Bros nicht möglich gewesen, über ein von Megaupload zur Verfügung gestelltes Tool, einen Inhalt von Megaupload zu entfernen, weil ein Limit für Löschungen überschritten worden sei. Anschließend soll sich Schmitz in einem Mail-Verkehr mit Warner Bros geweigert haben, dieses Limit auf über 5000 Löschungen pro Tag zu erhöhen. Im Interview weist Schmitz darauf hin, dass Megaupload besagtes Tool freiwillig zur Verfügung gestellt habe und kurz nach dem Mail-Verkehr das Limit für Warner Bros auf über 100.000 Löschungen pro Tag erhöht worden sei.
Laut Schmitz haben sowohl Warner Bros als auch andere Unternehmen rege Gebrauch von dem Tool gemacht, um urheberrechtlich geschützte Inhalte selbstständig zu löschen. So sollen etwa Warner Bros fast zwei Millionen Links auf Megaupload entfernt haben und Disney immerhin knapp 128.000 Links. Auch RIAA, Sony und BBC nutzten das Tool.
Im Gespräch mit Torrentfreak.com verwies Schmitz auch auf fünf Mails, die von großen Medienunternehmen wie Disney, Warner Bros und Fox erhalten hatte und in dem ihm die Unternehmen diverse Partnerschaften vorschlugen. Warner Bros habe sich beispielsweise ein Tool für Megavideo gewünscht, um mehrere Filme automatisch bei dem Dienst hoch laden zu können, um nicht jedes Video einzeln uploaden zu müssen.
Ein weiteres Argument von Schmitz: Viele Mitglieder der US-Regierung und auch viele Soldaten sollen Premium-Mitglied bei Megaupload gewesen sein. So sollen über 15.600 US-Soldaten den Dienst genutzt haben, um mit ihren Familien daheim Bilder und Videos auszutauschen.
Letztendlich sieht sich Kim Schmitz als auch als ein politisches Opfer. Der Megaupload-Fall werde von der momentan Regierung dazu verwendet, um ihre Wiederwahl zu beeinflussen. Er empfiehlt den Republikanern daher, einen genaueren Blick auf diesen Fall zu werfen.
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