28.01.2011, 11:41

Moritz Jäger

Interview mit Microsofts Internet-Explorer-Boss

Erscheinungstermin & Marktanteile

PC-WELT: Klingt verlockend, ab wann können wir den Release Candidate des IE9 denn herunterladen?
Dean Hachamovitch: Bald, sehr bald. Unser offizielles Statement ist „nicht später als zur Mitte dieses Quartals“.
PC-WELT: Könnte das Februar bedeuten?
Dean Hachamovitch: (schmunzelt) Dazu kann ich nichts sagen, so ein Datum wäre eine reine Spekulation ihrerseits.
PC-WELT: Okay, können Sie uns dann verraten, wann es eine mobile Version für Windows Phone 7 oder Windows Mobile geben wird?
Dean Hachamovitch: Nein...
PC-WELT: Bedeutet "Nein", dass es keine mobile Version geben wird?
Dean Hachamovitch: Es bedeutet, dass ich Ihnen nichts sagen kann. Okay, vielleicht eine Sache: Ich lächle - sie könnten aufgrund dieses Lächelns spekulieren, dass demnächst eine Unterhaltung über dieses Thema geben könnte.
PC-WELT: Zurück zur PC-Version des IE9. Wird es bis zum Release Candidate noch Änderungen geben? In der Beta stört mich beispielsweise die Platzierung der Tabs neben der Adressleiste - bei einer großen Anzahl von Tabs wird das schnell unübersichtlich.
Dean Hachamovitch: Das Design hat so in der Beta gut funktioniert; allerdings haben wir auch anderes Feedback erhalten. Ich kann nichts Genaueres sagen, aber möglicherweise überarbeiten wir die Anordnung der Tabs noch einmal.
PC-WELT: Na gut – dann lassen Sie uns ein wenig über Marktanteile sprechen. Einigen Analysten zufolge hat Firefox den Internet Explorer inzwischen überholt, zumindest in Europa.
Dean Hachamovitch: Wissen Sie, ich finde diese Studien immer interessant. Die Zahlen, die dort meist genannt werden, stammen aus einer Zeit vor WLAN, vor Twitter, vor Facebook, der Vergleich mit diesen Zahlen ist einfach bizarr. Fakt ist: Heute nutzen mehr Leute den Internet Explorer als jemals zuvor. Allein die Beta des IE9 wurde 20 Millionen Mal heruntergeladen – ich denke, das ist ein Beweis für das große Interesse. Und die neue Version muss den Vergleich nicht scheuen - wir haben großartige Funktionen, wie etwa die Hardware-Beschleunigung per GPU, Unterstützung für HTML5 oder eben Tracking Protection.
PC-WELT: Man könnte auch meinen, dass der IE6 einer der größten Konkurrenten für die aktuelle Version des Browsers ist.
Dean Hachamovitch: Wir haben Leute angestellt, deren Vollzeit-Job es ist, den Internet Explorer 6 loszuwerden. Wenn sie dabei einen guten Job machen, erhalten sie einen größeren Bonus. Die Zahlen sprechen für sich, der IE6 ist auf einem absteigenden Ast.
PC-WELT: Können Sie nicht einfach den Support für den IE6 komplett einstellen und beispielsweise automatische Upgrades verteilen?
Dean Hachamovitch: Fakt ist, selbst wenn wir die Unterstützung für ältere Browser wie IE6 oder IE7 einstellen, wird es immer Einzelne geben, welche den Browser weiter verwenden werden. Unternehmen haben etwa ein eigenes Tempo, mit dem sie neue Produkte einführen oder ersetzen. Nehmen Sie beispielsweise ein großes Pharma-Unternehmen. Die Laborausrüstung ist komplett standardisiert, die Becher kommen immer von Hersteller A, die Wagen von Hersteller B. Damit führen die Firmen Medikamententests durch, die mehrere Millionen Dollar kosten - und wenn man ein Produkt austauscht, muss man in jedem Fall sichergehen, dass die Ergebnisse nicht verfälscht sind. Heutzutage gehören PCs in allen Laboren zur Standardausrüstung, Sie können sich also vorstellen, dass hier sehr vorsichtig entschieden wird, ob und was an den Systemen geändert wird.
PC-WELT: Guter Punkt. Der IE ist einer der wenigen Browser, den Firmen in ein zentrales Management- und Patch-System einbinden können. Warum sind Ihre Konkurrenten nicht auf diesen Zug aufgesprungen?
Dean Hachamovitch: Okay, ich kann wieder nur für Microsoft sprechen. Aber: Wenn jemand eine Lizenz von Windows kauft, dann ist er unser Kunde. Unsere Kunden erwarten, dass unsere Software lange gepflegt wird, etwa mit Hilfe von Updates. Wir nennen sie Sicherheits-Updates, eigentlich sollten sie „Vertrauens-Updates“ heißen, denn sie beheben nicht nur Sicherheitsprobleme, sondern verbessern auch die Zuverlässigkeit, die Stabilität und die Leistung der Systeme. Unsere Kunden erwarten zudem, dass sie Microsoft-Produkte verwalten und ausrollen können, das gilt besonders für den IE und die Office-Produkte. Und wenn man seine Kunden ernst nimmt, dann entwickelt man Produkte auf diese Art.
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