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Facebooks Datenschutzpolitik ruft Behörden auf den Plan

02.06.2008 | 13:25 Uhr |

Das Social Network Facebook steht aufgrund seiner Datenschutzpolitik neuerlich unter Beschuss. Eine Gruppe von Studenten an der Canadian Internet Policy and Public Interest Clinic (CIPPIC) hat eine Beschwerde gegen Facebook eingereicht.

Darin werden insgesamt 22 Punkte aufgelistet, in denen die Plattform offenbar gegen das kanadische Datenschutzrecht verstößt. "Mit über sieben Mio. Nutzern in Kanada muss Facebook öffentlich dafür zur Rechenschaft gezogen werden", sagt Phillipa Lawson, Direktorin von CIPPIC in einem BBC-Interview. Hauptkritikpunkt, der aus der Beschwerde hervorgeht, ist der Vorwurf, Facebook sammle sensible Daten und zeige diese ohne Zustimmung der Nutzer für alle einsehbar im Internet. Außerdem würden User nicht darüber informiert, wie die Daten weiter verwertet werden.

Auch die Löschung von Profilen bei Facebook wird neuerlich kritisiert. Dass selbst nach dem Stilllegen eines Accounts weiterhin Daten gelistet bleiben, hatte schon vor einigen Monaten zu massiven Protesten geführt (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=080211024 ). Facebook seinerseits hatte daraufhin Verbesserungen für die Privatsphäre der Nutzer versprochen. Die neuerlichen Anschuldigungen seitens der kanadischen Datenschutzgruppe weist die Plattform deutlich zurück. Facebook erfülle die höchsten Standards, was die Privatsphäre der Nutzer betreffe. Das sei auch ein Grund dafür, dass knapp 40 Prozent der kanadischen Internetuser das Social Network besuchen, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. "Wir haben die Beschwerde angesehen und klare Fehler darin entdeckt - insbesondere, dass darin nicht erwähnt wird, dass nahezu alle Daten mit der Einwilligung der Facebook-Nutzer öffentlich gezeigt werden."

Im Grunde seien alle sozialen Netzwerke verdächtig und noch in diesem Jahr soll möglicherweise auch MySpace genauer von den Datenschützern unter die Lupe genommen werden, sagt die CIPPIC-Direktorin. Die CIPPIC hat sich laut Lawson Facebook deshalb ausgesucht, weil es die populärste Networkingseite im Land ist und sich vor allem Teenager davon angesprochen fühlen, die sich oft nicht über die Risiken bei der Weitergabe von Daten bewusst sind. "Neben den normalen Suchanfragen werden viele Informationen zunehmend auch in sozialen Netzwerken oder über Blogs gesammelt. Besonders die jüngere Nutzergeneration muss hier über die speziellen Risiken und Gefahren aufgeklärt werden", meint auch Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein , im Interview mit pressetext.

Teenager im Alter von 14 Jahren wüssten häufig nicht einmal, dass Privateinstellungen existieren oder wie diese richtig eingesetzt werden, meint auch der 24-jährige Harley Finkelstein, der an der Facebook-Untersuchung beteiligt war. "Es hat sich außerdem gezeigt, dass sogar bei strengsten Privateinstellungen immer noch Informationen weiter verteilt werden, wenn zum Beispiel die Freunde einen niedrigeren Sicherheitsgrad gewählt haben", bemängelt Finkelstein. Die kanadische Datenschutzbeauftragte Jennifer Stoddart hat nun ein Jahr Zeit, sich die eingereichte Beschwerde genauer anzusehen. Dann soll entschieden werden, ob das Problem gelöst werden kann oder ein gerichtliches Verfahren folgt. (pte)

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