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Erhebliche Sucht-Gefahr bei deutschen Arbeitnehmern

23.08.2013 | 12:51 Uhr |

Treibt die stressige, moderne Arbeitswelt deutsche Arbeitnehmer in die Sucht? Die Anzahl der Fehltage auf Grund von Alkohol, Nikotin und Medikamentenmissbrauch wird laut der AOK so langsam bedenklich. Der Leistungsdruck sei die Hauptursache. Wie viel das die Arbeitgeber kostet und wie sich das auf die Arbeitnehmer auswirkt, erfahren Sie hier.

Hier noch schnell die Abgabe schaffen, dort noch schnell etwas für den Chef erledigen und dann müssen Sie vor Feierabend noch die Präsentation für den Kunden fertig machen - die heutige Arbeitswelt verlangt dem Arbeitnehmer jede Menge ab. Einige kommen besser damit klar als andere. Doch was wenn die Kraft irgendwann nicht mehr reicht? Viele wollen sich ihre Grenzen nicht eingestehen, haben womöglich sogar Angst ihren Job zu verlieren und wählen statt einer Auszeit, lieber den Griff zur Flasche oder zu Pillen. Das sagt jedenfalls die Studie "Fehlzeiten-Report 2013" der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKs).


Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die durch Suchtkrankheiten verursacht wurden, ist von 2 Millionen im Jahr 2002 auf 2,4 Millionen im Jahr 2012 gestiegen. Zwar machen die suchtbedingten Krankschreibungen nur 1,3 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfälle aus - dennoch nehmen Arbeitsausfälle wegen Süchten zu. Ganz im Gegensatz zu der Zahl der Arbeitstage, die wegen körperlichen Krankheiten nicht angetreten werden. Sie stagniert oder sinkt sogar. Grundlage der Daten-Erhebung sind alle Krankmeldungen der elf Millionen AOK-Mitglieder.

Wirtschaftliche Auswirkungen von Suchterkrankungen


Wirtschaftlich macht sich die Zahl der Krankmeldungen auf Grund von Süchten bereits bemerkbar. Das wissenschaftliche Institut der AOK hat berechnet, dass Arbeitnehmer, die an Suchterkrankungen leiden, häufiger krankgeschrieben sind als andere Arbeitnehmer. Süchtige Arbeitnehmer haben zudem längere Ausfallzeiten.


"Wer einmal mit einer Suchterkrankung ausfällt, fehlt im Schnitt an 92 Tagen im Jahr", erklärt Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. 31 Tage ist der Durchschnitt der Fehltage bei allen Arbeitnehmern, die nicht an Suchterkrankungen leiden. Das kostete die deutschen Arbeitgeber im vergangenen Jahr bereits 1,3 Milliarden Euro. Dies ist aber nur die Zahl der Krankmeldungen bei denen tatsächlich Sucht als Krankheitsgrund angegeben wurde. Die meisten Menschen schämen sich allerdings für derartige Leiden und greifen lieber zu Notlügen wie etwa Magen-Darm Erkrankungen. Der Graubereich liegt viel höher als gedacht: Die Autoren des Fehlzeiten-Reports nehmen an, dass allein die Alkohol- und Tabaksucht die deutsche Volkswirtschaft jedes Jahr erstaunliche 60,25 Milliarden Euro kostet.


Wenn man sich fragt, welche Sucht wohl die meisten Ausfälle generiert, lautet die Antwort ganz klar: Alkoholismus und zwar mit Abstand. Über 50 Prozent der suchtbedingten Krankheitsfälle werden auf Grund von Alkohol verursacht. Gleich im Anschluss kommt der übermäßige Tabakkonsum. Die langfristigen Schäden durch das Rauchen machen sich also finanziell sehr wohl für einen Arbeitgeber bemerkbar.


Leistungssteigernde Medikamente erfreuen sich immer größerer Beliebtheit


"Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben nach unserer Befragung immerhin fünf Prozent der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen. Bei den unter 30-Jährigen trifft dies immerhin auf jeden Zwölften zu", sagte Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.


Besonders Sorgen machen sich die Krankenkassen also auch wegen leistungssteigernden Mitteln. Deren Popularität ist zwar noch relativ gering, aber die Krankschreibungen auf Grund von leistungssteigernden Medikamenten, hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht.


Die Mittel die eingenommen werden umfassen ein breites Spektrum. Von Amphetaminen wie Speed, bis hin zu dem bekannten ADHS Präparat Ritalin, wird alles Mögliche geschluckt, um dem Leistungsdruck gerecht werden zu können. Die Konzentration wird durch diese Mittel tatsächlich für einige Stunden gesteigert, aber die gesundheitlichen Schäden sind schier fatal.


Helmut Schröder, Vize-Geschäftsführer des wissenschaftlichen Instituts der AOK, bittet nun auch die Arbeitgeber, mehr für die Suchtprävention unter ihren Mitarbeitern zu tun. Denn so wie die Entwicklungen derzeit aussehen, müssen wir uns wohl alle Sorgen machen.

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