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Erdogan wollte deutsches Satire-Video löschen lassen

29.03.2016 | 16:41 Uhr |

Zuerst hatte man den deutschen Botschafter einbestellt. Nun sollen Diplomaten die Löschung des Satire-Videos von extra 3 gewünscht haben.

"Erdowie, Erdowo, Erdogan" - so lautet der Titel, unter welchem die NDR-Sendung "extra 3" ihren Satire-Song über den türkischen Präsidenten Erdogan veröffentlicht hat. Darin wird dieser unter anderem als "Boss vom Bosporus" bezeichnet und das Video prangert seine teure Residenz mit 1.000 Zimmern und sein Bombardement der Kurden an, verpackt in freche Worte. Das passt dem Präsidenten offenbar nicht und so hatte er den deutschen Botschafter zu sich einbestellt, damit dieser sich rechtfertigen könne. Anscheinend haben türkische Diplomaten sogar die Löschung des Satire-Videos erwirken wollen. Das berichtet zumindest der Spiegel unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Erdogan steht schon länger in der Kritik. Seine Maßnahmen gegen Demonstranten und Journalisten stufen Kritiker als gegen die Pressefreiheit gerichtet ein. In der Türkei müssen sich immer wieder Menschen wegen "Präsidentenbeleidigung" vor Gericht verantworten. Auch Zeitungsherausgeber landen in Untersuchungshaft. Das wird auch in dem Satire-Video thematisiert: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast", heißt es darin.

Doch "extra 3" hat das Video keineswegs gelöscht, sondern noch nachgelegt. Das Video gibt es nun auch mit englischen Untertiteln. Außerdem tweetet die Sendung ein satirisches Bild von Erdogan mit den Worten "Vielleicht unser letzter Tweet..."

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