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Jedes zweite Europa-Unternehmen baut Jobs ab

06.03.2009 | 13:05 Uhr |

Mit 54 Prozent wird es europaweit bei mehr als der Hälfte der Unternehmen zu Entlassungen kommen. Die Finanzvorstände von Konzernen und Behörden beurteilen das Geschäftsklima in diesem Quartal noch pessimistischer als in den vergangenen drei Monaten, wie aus einer gemeinsamen Erhebung des CFO Magazines, der Universität Tilburg und der Duke University hervorgeht.

"Zusätzlich zu den Kündigungen, die in den vergangenen Monaten bereits erfolgt sind, werden die Unternehmen durchschnittlich acht Prozent ihrer Arbeitskräfte abbauen", heißt es darin. In Europa sowie in den USA werde der Grad der Beschäftigung um fünf Prozent schrumpfen. Zudem sei der zusätzliche Einstellungsstopp der meisten Betriebe für den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit verantwortlich. Kürzungen von Löhnen und Gehältern würden sich außerdem negativ auf die Konjunkturdaten der einzelnen Länder durchschlagen.

"Die Unternehmen werden sich nur zu neuen Einstellungen umstimmen lassen, wenn sie der Überzeugung sind, dass es mit der Konjunktur wieder aufwärts geht", meint Werner Eichhorst, stellvertretender Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit http://www.iza.org , im Gespräch mit pressetext. Auf Europa sieht der Experte in den kommenden beiden Jahren "äußerst schwierige Zeiten" zukommen. "Hierzulande ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 600.000 bis 700.000 Personen zu erwarten. Dabei ist Deutschland noch nicht das am schwersten betroffene Land", unterstreicht Eichhorst. Versuche der Regierungen, den Arbeitsmarkt zu festigen, seien zudem vom Scheitern bedroht. "Die Maßnahmen für den Finanzmarkt waren notwendig, um das System zu stabilisieren. Finanzspritzen für einzelne Unternehmen sind hingegen skeptisch zu bewerten", erklärt Eichhorst gegenüber pressetext.

Die staatlichen Hilfen könnten den Verkleinerungsprozess und die schmerzhaften Anpassungen der Unternehmen nicht verhindern, sondern würden für eine Verschiebung um etwa zwei bis drei Jahre sorgen. Dann könnten die Folgen der Krise sogar noch schwerwiegender sein als jetzt. "Solange die Unternehmen nicht marktfähig sind, verursachen die Rettungsmaßnahmen lediglich eine Verzögerung der Krisenfolgen", betont Eichhorst. Der Erhebung zufolge sind die CFOs in Europa besonders aufgrund der nachlassenden Konsumnachfrage, der Schwäche des Finanz- und Bankensystems sowie einer zunehmenden Kreditverknappung in Hinblick auf die Geschäftsentwicklung noch skeptischer als bisher. Zudem spitze sich die Zuliefererkrise zulasten der Unternehmen zu. Europaweit würden die Konzerne in diesem Jahr von einem Gewinnrückgang um durchschnittlich elf Prozent getroffen. In den USA gehen die CFOs im Vergleich sogar von doppelt schweren Krisenfolgen und einem Einbruch von 22 Prozent aus. (pte)

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