Entbündelung von Festnetz und DSL: Telekom bremst

Dienstag den 07.02.2006 um 16:14 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Auch die nächste CeBIT steht wieder ganz im Zeichen der Internettelefonie. Doch der Durchbruch von VoIP hängt nicht von der Sprachqualität der VoIP-Technologie oder vom Komfort der Endgeräte ab. Sondern von der Deutschen Telekom. So lange der ehemalige Monopolist die Entbündelung von Festnetzanschluss und Breitbandzugang verzögert, lohnt sich VoIP nicht für jeden Benutzer. Die diesbezügliche Entscheidung der deutschen Regulierungsbehörde lässt auf sich warten. O2 will aber im Laufe des Jahres 2006 mit dem ersten reinen DSL-Anschluss los legen.
Telefonieren via Internet mag grundsätzlich ja ganz interessant sein. Doch so richtig Geld sparen könnten damit zumindest Wenigtelefonierer erst, wenn sie dank VoIP auf den Festnetzanschluss verzichten können. Der preiswerteste Festnetzanschluss der Telekom (T-Net Call plus) kostet immerhin 15,95 Euro. Geld, das man sich sparen kann, wenn man nur noch via VoIP telefoniert. Dann bräuchte man nur noch einen DSL-Zugang (der preiswerteste DSL1000-Zugang bei der Telekom schlägt mit 16,99 Euro zu Buche) sowie einen Providervertrag für Internet und VoIP. Doch bei der Entkoppelung von Festnetzanschluss und Breitbandzugang legt sich die Deutsche Telekom quer, wie die Financial Times Deutschland berichtet.

Die Telekom fürchtet um ihr Brot- und Buttergeschäft. Fallen die Milliarden-Einnahmen aus dem Festnetzgeschäft weg, so hat der einstige Monopolist ein Riesenproblem. Denn die Telekom erzielt immer noch die Hälfte ihres Vorsteuergewinns mit dem Festnetz, obwohl die Zahl der Analog- oder ISDN-Anschlüsse beständig fällt. 2005 gab es noch 35,2 Millionen Festnetzanschlüsse - 4,1 Prozent weniger als 2004.

Also bremst die Telekom, wo es nur geht. Walter Raizner, Chef der Festnetzsparte, bekräftigte den Standpunkt der Telekom folgendermaßen: "Wir werden das Entkoppeln nicht pushen". Angeblich sei der Markt auch ohne die Telekom in der Lage, entkoppelte Angebote zu machen, wie die Financial Times ausführt.

Fairerweise muss man eingestehen, das die Deutsche Telekom mit ihrer Blockade-Politik nicht allein dasteht. Auch Arcor und Hansenet würden sich gegen die Entbündelung wehren: "Unsere Strategie sind Komplettanschlüsse", verkündete laut Financial Times ein Arcor-Sprecher.

Dienstag den 07.02.2006 um 16:14 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

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