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Zweifel an Versorgungssicherheit

12.01.2009 | 10:15 Uhr |

Die deutschen Energieexperten erwarten eine schlechtere Versorgungssicherheit für Gas und Öl in den nächsten zehn Jahren.

Zu diesem Schluss kommt der Energiemarktbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der halbjährlich die Einschätzung von 200 Experten aus Wissenschaft und Energiewirtschaft wiederspiegelt. Besonders für Öl erwarten siebzig Prozent der Befragten eine schlechtere Versorgungssicherheit, knapp die Hälfte befürchtet dies auch bei Gas und Strom. 43 Prozent erwarten keine grundsätzliche Veränderung insgesamt, nicht einmal jeder Zehnte glaubt an mehr Sicherheit in der Versorgung.

"Hauptursache für die negative Perspektive ist die steigende Nachfrage von Gas und Öl bei gleichzeitig hoher Abhängigkeit von wenigen Lieferanten", deutet ZEW-Mitarbeiter Nikolaus Wölfing die Umfrageergebnisse im pressetext-Interview. Westeuropa sei immer mehr auf Gasimporte angewiesen, da eigene Vorkommen in Großbritannien und den Niederlanden bald aufgebraucht seien. Kohle sei an nationale Ressourcen gebunden, weshalb hier die Erwartungen positiver ausgefallen seien. Die Geschehnisse im Jahr 2008 wie die Preisausschwankungen beim Rohöl, die mit der Finanzkrise einher gehenden Preisrückgänge im Energiemarkt oder auch die aktuelle Gaskrise scheinen die Haltung der Experten jedoch kaum zu berühren. Über 80 Prozent gaben an, dass sich ihre grundsätzliche Einschätzung der Versorgungssicherheit im letzten halben Jahr nicht verändert habe.

"Aktuelle Konflikte beeinflussen die Erwartung der Versorgungssicherheit sehr", sagt hingegen Sintje Diek, Analystin bei der HSH Nordbank, im Gespräch mit pressetext. Der derzeitige Gaskonflikt werde als Wiederholung von 2006 erlebt, als der Streit um den Gashandel zwischen Russland und der Ukraine bereits einmal aufflammte. Besonders im Zusammenhang mit der Ölversorgung drängten sich jedoch geopolitische Konflikte ins Bewusstsein. "Aktuell befürchtet man eine Destabilisierung im Nahen Osten, besonders wenn arabische Staaten Öl als Druckmittel gegen Israel einsetzen sollten. Bedrohend wirken auch die ständigen Pipeline-Anschläge in Nigeria, die bereits ein Fünftel der Fördermenge zerstört haben", so Diek. Zudem sorge auch die Peak-Oil-Theorie, die von begrenzten Fördermengen ausgeht, für Versorgungsängste.

Andreas Löschel, Leiter des Forschungsbereichs Umwelt- und Ressourcenökonomik am ZEW, bezeichnet den aktuellen Gaskonflikt als Anlass, der zu Maßnahmen der Energiesicherheit führen sollte. Löschel zählt dazu Investitionen in neue Leitungen und Speicherstätten sowie die verstärkte Nutzung von verflüssigtem Erdgas. Diek sieht daneben die Notwendigkeit gleichzeitiger Maßnahmen auf anderen Ebenen. "Die Suche nach alternativen Energieträgern muss fortgesetzt werden, was jedoch erst bei einem Anstieg der Ölpreise realistisch scheint. Zudem sind Bemühungen um mehr Effizienz notwendig", so die Analystin abschließend. (pte)

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