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Ende der Abmahnwelle?

09.03.2001 | 12:21 Uhr |

Der Streit um die Markenrechte an "Explorer" könnte bald vorbei sein. Wie Medienrecherchen ergaben, scheint ein Programm mit diesem Namen nie existiert zu haben. In diesem Fall müsste die bisherige Rechteinhaberin, die Firma Symicron, ihre Ansprüche auf diesen Markennamen aufgeben.

Der Streit um die Markenrechte an "Explorer" könnte bald vorbei sein. Wie Recherchen der Internet World ergaben, scheint ein Programm mit diesem Namen nie existiert zu haben. In diesem Fall müsste die bisherige Rechteinhaberin, die Firma Symicron, ihre Ansprüche auf diesen Markennamen aufgeben.

Das heute von Symicron als "Explorer" bezeichnete Produkt wurde bis 1995 anscheinend unter dem Namen "Truvelo-OCR" vetrieben. Den damaligen Kunden von Symicron ist jedenfalls kein Produkt mit dem Namen "Explorer" bekannt.

Im November 1995 hatte sich Symicron in Deutschland die Rechte an der Softwaremarke "Explorer" gesichert. Symicron zufolge würde es sich beim "Explorer" um ein OCR-(Optical Character Recognition) Programm handeln, mit dem am PC Texte aus Bildern extrahiert werden können. Explorer wäre zudem kein eigenständiges Programm, sondern Bestandteil der Verkehrsüberwachungs-Software Gerograph, das von Behörden zur Verwaltung und Auswertung von Rotlicht- und Geschwindigkeitssündern eingesetzt wird. Nach Aussagen Gravenreuths wurde "Explorer II" zum Preis von 12.500 Mark seit 1991 angeboten.

Bei den Recherchen der Internet World ergab sich, dass in den Jahren 1994 und 1995 ein OCR-Modul von Symicron angeboten wurde, allerdings ausschließlich unter dem Namen "Truvelo OCR". Keine Spur jedoch von einem "Explorer". 1996 wurden die Anzeigen-Kampagnen für diese Software eingestellt. Bis heute wurde den Nachforschungen zufolge kein Produkt unter dem strittigen Namen angeboten. Übrigens scheint es nur insgesamt zehn Kunden zu geben, die diese OCR-Software tatsächlich gekauft haben. Keiner der befragten Kunden konnte sich an ein Produkt namens "Explorer" erinnern.

Bei einer Vorführung der Gerograph-Software vor Redakteuren war zwar der Schriftzug "Gerograph inkl. Explorer" zu lesen, doch handelt es sich dabei vermutlich um eine eigens für Demonstrationszwecke angefertigte Version, die so nie verkauft wurde.

Das Fazit: Symicron scheint nach dem derzeitigen Kenntnisstand nie ein Softwareprodukt unter dem Namen Explorer vertrieben zu haben. Da seit November 2000 Symicron eine Nutzung der Marke "Explorer" belegen muss, könnte dies bedeuten, dass der Rechtsanspruch von Symicron verfällt. Somit würden den zahlreichen Abmahnverfahren, die Symicron wegen unerlaubter Nutzung des Namens "Explorer" gegen Privatpersonen und Firmen anstrengte, die Rechtsgrundlage entzogen.

Mit der den Abmahnverfahren war der Münchner Rechtsanwalt Günther von Gravenreuth beauftragt. Bis Redaktionsschluss wollte sich von Gravenreuth in dieser Sache nicht gegenüber der PC-WELT äußern. (PC-WELT, 09.03.2001, hc)

Infos der Internet World

Gravenreuth geht leer aus (PC-WELT Online, 20.02.2001)

Alles über von Gravenreuth (PC-WELT Online, 03.01.2001)

Sieg gegen Explorer-Abmahner (PC-WELT Online, 14.12.2000)

Sieg gegen Abmahner in erster Instanz (PC-WELT Online, 26.10.2000)

Sieg im Explorer-Prozess für Münz (PC-WELT Online, 20.09.2000)

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