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Rollenspiel "The Witcher"

27.11.2007 | 11:30 Uhr |

Es gibt nur wenige Spiele, die einen direkt in ihren Bann ziehen: Das Rollenspiel „The Witcher“ gehört dazu und ist damit das ideale Futter für lange Winterabende vor dem PC.

Fans von PC-Rollenspielen wurden in letztere Zeit nicht gerade verwöhnt: Sowohl Gothic 3 als auch Two Worlds hatten mit Macken zu kämpfen. Nach jahrelanger Entwicklung steht nunmehr das Rollenspiel „The Witcher“ seit einigen Wochen in den Regalen. Entwickelt wurde das Spiel von der polnischen Softwareschmiede „CD Project“ , als Publisher fungiert „Atari“.

Technisch basiert das Spiel auf der Engine Aurora von Bioware, die bereits ihre Dienste in Neverwinter Nights verrichtete und damit zu den eher betagteren Engines gehört. Für „The Witcher“ wurde Aurora aber nochmals aufgepeppt.

In dem Spiel übernimmt der Spieler die Rolle des Mutanten Geralt, einem hervorragenden Schwertkämpfer und Monsterjäger. Zu Beginn der Handlung hat Geralt alles vergessen, was ihm wiederfahren ist und stürzt sich in eine liebevoll gestaltete Fantasywelt, um herauszufinden, was eigentlich los ist. Dabei wird er im Verlauf der Geschichte, in der man ihm als Spieler folgt, in einen Machtkampf verstrickt, der die Grundfesten der Welt erschüttert.

So banal die Geschichte auf den ersten Blick klingen mag, umso wuchtvoller entfaltet sie sich im Spielverlauf. Kein Wunder, denn die Entwickler haben sich bei der Story von den Werken des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski beeinflussen lassen. Die Spieler erwartete eine überaus düstere Fantasy-Welt, in der niemals ganz klar ist, wer nun zu den Bösen und wer zu den Guten gehört. So gilt es reihenweise Entscheidungen zu treffen, die den Fortgang der Story beeinflussen. Außerdem geht es äußerst erwachsen zur Sache: Es herrscht zwischen den unterschiedlichen Rassen ein offen ausgetragener Rassismus, Völkermord, poltische Intrigen, Huren begegnen einem an jeder Straßenecke und fast jeder sich noch so freundlich zeigende Charakter könnte in Wirklichkeit Böses im Schilde führen.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, sind die Fähigkeiten von Geralt zu Beginn noch nicht sehr vielfältig. Das ändert sich aber im Laufe der Zeit, wenn er Erfahrungspunkte sammelt, in dem er Quests löst und Monster erledigt. Dabei darf der Spieler selbst entscheiden, ob Geralt ein auf Schwertkampf spezialisierter Kämpfer werden soll oder eher seine Fähigkeiten im Bereich Zauberei fördert. Insgesamt 250 Spezialfähigkeiten stehen zur Verfügung.

Die Kämpfe sind erfrischend anders geraten: Statt wildes auf die linke Maustaste klopfen, wird eher taktisches Vorgehen verlangt. Ein Klick auf einen Gegner reicht aus, um den Angriff zu starten. Dann verfärbt sich für kurze Zeit das Schwertsymbol. Wer jetzt erneut die linke Maustaste klickt, der startet eine Combo. Mit zunehmenden Fähigkeiten werden diese Combo-Attacken mächtiger. Zusätzlich stehen unterschiedliche Kampfstile zur Auswahl: Für starke Gegner, schnelle Gegner und Gruppen von Gegnern. Hier gilt es immer den passenden Stil für den passenden Gegner auszuwählen, um wirklich maximalen Schaden anzustellen.

Auf seinen Wegen findet Geralt Bücher, über die er sein Wissen ebenso erweitern kann, wie im Gespräch mit anderen Charakteren. Dieses Wissen hilft ihm beispielsweise dabei, am Weg wachsende Kräuter zu erkennen und einsammeln zu können. Aus diesen Kräutern kann er dann Tränke herstellen, die seine Fähigkeiten oder seine Waffen verbessern.

The Witcher besticht durch die Art und Weise, wie spannend es die Story erzählt. Dutzende von Quests warten darauf gelöst zu werden, die äußerst abwechslungsreich gestaltet wurden. Die schicke 3D-Grafik sorgt dafür, dass sich der Spieler sofort heimisch fühlt in der neuen virtuellen Welt. Die einzelnen Gebiete sind groß und laden dazu ein, sich auf Entdeckungstour zu begeben. Positiv: Die im Spiel gezeichnete Karte gibt Hinweise darauf, wohin man sich für das Lösen eines Quest begeben sollte.

Einziges Manko: Die Ladezeiten beim Wechseln und Verlassen von Gebäuden fallen teilweise äußerst lang aus, was sich aber verschmerzen lässt, angesichts des eher trägen Spieltempos. Die Entwickler haben außerdem einen Patch versprochen, der dieses Problem lösen soll und der vor Weihnachten erscheinen wird.

Bereits mit dem Erscheinen von The Witcher war ein erster Patch erschienen, den Sie unbedingt installieren sollten. Er löst viele Probleme, die das Spiel im Auslieferungszustand noch hatte. Eines ändert aber auch der Patch nicht: Bei dem Poker-Würfel-Spiel verhält sich die KI teilweise äußerst dämlich. Wer dieses Mini-Spiel aber nutzt, um seine Reichtümer zu vermehren, dem dürfte es aber nicht sonderlich leid tun, denn Geld ist in der Welt von The Witcher Mangelware.

Wertung: 85 Prozent

Weitere Infos zum Spiel finden Sie auf dieser Seite .

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