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Elektronisches Post-It vor Gebäuden

04.02.2005 | 16:08 Uhr |

Mobilfunknutzer werden Nachrichten zukünftig wie unsichtbare Haftnotizen - sozusagen als elektronische Post-its- an beliebigen Orten hinterlassen können. Virtuelle Botschaften mit Ortsbezug lassen sich somit dort ablegen, wo man sie braucht. Forscher von Siemens haben jetzt die technischen Voraussetzungen und Computerprogramme für diesen "Digital-Graffiti-Service" geschaffen.

Haftnotizen sind ungemein praktisch. Sie verraten, dass man nur kurz Einkaufen oder Mittagessen ist, oder dienen als Gedächtnisstütze. In die Luft kleben lassen sich die gelben Zettelchen allerdings nicht. Mit den virtuellen Notizen aus den Forschungslabors von Siemens Corporate Technology in München aber wird das zukünftig möglich sein. Die Spezialisten haben Computer-Programme entwickelt, die Mobilfunkbotschaften bestimmten Orten zuordnen. Per Handy kann der Nutzer an einem beliebigen geographischen Punkt eine Nachricht hinterlassen - das so genannte Digital Graffito, eine Art SMS, die an einem Ort haften bleibt. Erreicht der Empfänger den definierten Punkt, erscheint die Nachricht auf seinem Display. Anders als die klassische SMS wandert die Nachricht also nicht zum Adressaten, sondern erreicht diesen nur dann, wenn dieser an der entsprechenden Stelle den für das Graffito definierten Umkreis betritt. Ein weiterer Unterschied: Die Nachricht kann auf Wunsch nicht nur von einer Person, sondern von mehreren Mobilfunknutzern gelesen werden - wie ein echtes Graffito, das an einer Hauswand prangt.

Wer sich beispielsweise mit seinen Bekannten zum Bummeln in der Stadt verabredet hat, hinterlässt unterwegs einfach ein Digital Graffito - etwa am verabredeten Treffpunkt. Statt allen betroffenen User eine SMS zu schicken, wird das elektronische Post-It einfach am vereinbarten Treffpunkt hinterlassen.

Denkbar ist aber auch die Nutzung des Dienstes zur Übersendung von Werbebotschaften. Wer den Dienst an seinem Handy aktiviert hat, kann Werbebotschaften empfange, die vor jedem Geschäft "in der Luft hängen". Wer keine Lust auf neuste Informationen hat, deaktiviert den Dienst einfach wieder.

Dass das System funktioniert, haben die Siemens-Entwickler mit einem Prototypen gezeigt, der in Kooperation mit der Universität Linz und dem Ars Electronica Center in Linz entstanden ist. Technisch gesehen wird die Nachricht zusammen mit den geographischen Informationen an einen zentralen Server gesendet. Da sich Handys in regelmäßigen Abständen mit ihrer Kennung und der Position beim Mobilfunkserver melden, kann die Botschaft dann übertragen werden, wenn der User in Reichweite der Nachricht ist. Das Digital Graffito kann außerdem mit einem Verfallsdatum versehen werden.

Denkbar ist außerdem eine Übertragung der virtuellen Botschaften auf das Display des Handys. Nutzt man beispielsweise die Kamerafunktion des Handys, würden die Informationen vor den vom Sucher erfassten Gebäuden eingeblendet. So könnten beispielsweise auch touristische Informationen an Besucher übermittelt werden. (fba)

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