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Elektronisches Papier bald marktreif

09.05.2001 | 17:47 Uhr |

Jahrzehntelang haben die Forscher an der Entwicklung des elektronischen Papiers getüftelt. Die Erfindung sollte sogar nach Meinung mancher Enthusiasten eines Tages Zeitungen, Bücher und Notizen auf Papier verdrängen. Wissenschaftler nähern sich derzeit diesem Ziel mit Riesenschritten.

Das Material ist dünn wie Papier, lässt sich wie eine Zeitung zusammenrollen und zeigt mit Hilfe seiner elektronischen Tinte jeden beliebigen Text an. Nun wollen zwei weltweit renommierte Forschungsinstitute endlich dem elektronischen Papier zum Durchbruch verhelfen.

Nach jahrelanger Forschungsarbeit treten das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) und das Massachusetts Institut of Technology (MIT) in einem Kopf-an- Kopf-Rennen um die ersten kommerziellen Erfolge ihrer Erfindungen gegeneinander an.

"Erste Praxis-Einsätze unseres elektronischen Papiers wird es bereits 2001 geben", ist Patrick Mazeau vom Xerox Research Center (XRCE) in Grenoble überzeugt. In einem Showroom kann er erste Prototypen mit der im legendären kalifornischen Forschungslabor Xerox PARC entwickelten Technologie präsentieren.

Für die Kommerzialisierung der Technologie gründete Xerox Ende vergangenen Jahres eigens die Firma Gyricon Media. Noch 2001 will die Xerox-Tochter preiswerte, leichte und vor allem stromsparende Dokumente herstellen, die zum Beispiel als Werbeflächen oder digitale Preisschilder in Supermärkten zum Einsatz kommen sollen.

Doch Xerox arbeitet nicht allein am elektronischen Papier: Erst vor rund vier Wochen präsentierte das Unternehmen E Ink in Cambridge erstmals ein flexibles, weniger als ein Millimeter dünnes Display.

Der Prototyp ist nur knapp einen Millimeter dünn, lässt sich ähnlich wie die Xerox-Erfindung wie eine Zeitung zusammenrollen und kann auf einer Fläche von derzeit rund 12 mal 12 Zentimetern ein elektronisches Schwarz-Weiß-Bild anzeigen.

Die Wissenschaftler der 1997 von den MIT-Forschern Barrett Cominskey und J.D. Albert gegründeten Firma druckten auf eine dünne Kunststofffolie insgesamt 256 kleine Transistoren, über der sich eine Schicht aus winzig kleinen Mikrokapseln befindet. Wird eine der kleinen Kapseln mit Strom versorgt, bewegt sie sich an die Oberfläche und erzeugt zusammen mit anderen Kapseln die programmierte Darstellung.

"Wir haben bewiesen, dass E Ink in der Lage ist, mit den weltweit führenden Herstellern die nächste Generation von Displays für elektronische Geräte zu entwickeln", meinte E Ink-Chef Jim Juliano.

Das elektronische Papier könne künftig als Buch oder Zeitung gebunden werden oder in den verschiedensten mobilen Geräten zum Einsatz kommen. Anders als elektronische Bücher soll sich das Medium fast wie Papier anfühlen und beim Leser den Eindruck vermeiden, er sitze vor einem Laptop.

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