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Elektronische Armbänder für Katastrophen-Opfer entwickelt

03.02.2015 | 11:17 Uhr |

Ein neues System soll zukünftig die Opfer-Erstsichtung bei Großunfällen beschleunigen: Anstelle von herkömmlichen Papierkarten versehen Helfer die Verletzten mit farbigen elektronischen Armbändern.

Diese elektronischen Armbänder dienen zur Ortung der Verletzten und übermitteln zudem Vitaldaten, wie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT erklärt.

So funktioniert die neue Technik

Je zügiger die Erstsichtung von Katastrophen-Opfern erfolgt, desto eher können die Verletzten evakuiert und in umliegende Krankenhäuser verteilt werden. Aktuell erfolgt die Erstsichtung, in der Fachsprache „Triage“ genannt, mit Hilfe von farbigen Karten aus Papier, mit denen Ersthelfer die Opfer markieren. Fraunhofer FIT hat zusammen mit internationalen Partnern jetzt eine elektronische Triage-Lösung entwickelt, die zukünftig die Papierkarten ersetzen soll. Es ermöglicht über die Kennzeichnung der Verletzten hinaus deren Ortung und übermittelt auch Vitaldaten wie Puls, Atemfrequenz und Blutsauerstoff in Echtzeit an die Einsatzleitstellen.

Die Ersthelfer versehen die Verletzten mit farbkodierten Plastik-Armbändern, die mit unterschiedlicher Technik ausgestattet sind, etwa einem GPS-Sensor, einem RFID-Chip sowie einer Netzwerkkomponente für die drahtlose Kommunikation mit dem Kommandostand. Unversehrte oder leicht verletzte Personen erhalten lediglich ein Armband mit GPS-Sensor, instabile Opfer und Schwerverletzte werden zudem mit Körper-Sensoren versehen, die kontinuierlich die Vitaldaten an die Leitstelle senden. Die Armbänder fungieren gleichzeitig als Netzwerkknoten.

Ad-hoc ZigBee-Netz springt ein

Selbst wenn im Katastrophengebiet die Mobilfunknetze ausfallen, bleibt das System einsatzfähig, wie Fraunhofer betont. Dann werden die Daten über ein ad-hoc ZigBee-Netz übertragen, einem langsamen, aber weitreichendem und sparsamem Funknetz. Die dafür nötige Infrastruktur steckt mit in den Armbändern. Die Ersthelfer tragen am Gürtel Triage-Relays, die als Zwischenspeicher, Datenbackup und -sender dienen.

„Die Daten werden auf Großbildschirmen in den Einsatzleitstellen oder auch auf mobil eingesetzten Tablets und Smartphones visualisiert. Ersthelfer und Einsatzleiter erhalten so ein genaues Bild der aktuellen Lage vor Ort. Die Retter erkennen sofort, wo sich die meisten Schwerverletzten befinden und können umgehend entsprechende Rettungsmaßnahmen koordinieren“, so Projektleiter Dr. René Reiners vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT. Das System wurde im EU-Projekt BRIDGE mit technischer Federführung des Fraunhofer FIT im Forschungsbereich User-Centered Computing (Leitung Dr. Markus Eisenhauer) entwickelt.

Zur Kommunikation zwischen Opfern und Ersthelfern hat Fraunhofer FIT zudem eine Lösung realisiert, die ebenfalls sogar bei Ausfall des Mobilfunknetzes funktioniert. Das System besteht aus zwei Komponenten: Eine SOS-App, die vom Opfer aktiviert wird, verschickt ein Notsignal über den Wi-Fi Service Identifier (SSID), indem als Netzwerkname für den errichten Access Point eine verständliche Botschaft gewählt wird, etwa „Bin verschüttet“. Die Sucher-App scannt die Umgebung nach Wi-Fi-Netzwerken, spürt so die Notrufe auf und schickt dem Opfer ein Signal, dass es geortet wurde. Das Ganze soll mit handelsüblichen Android-Smartphones bis zu einer Reichweite von etwa 100 Metern funktionieren.

Sie finden das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT auf der CeBIT vom 16. bis 20. März 2015 in Halle 9 am Stand E40. Dort wird neben den elektronischen Armbändern auch die S.O.S-Handy-App für verschüttete oder eingeschlossene Personen gezeigt, die auch ohne Mobilfunknetz funktioniert.

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