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Einkaufen im Internet: Schnäppchenjagd mit Tücken

Das Angebot war noch besser als im örtlichen Elektrogroßmarkt: Ein neuer Flachbettscanner mit Garantie für rund 25 Euro unter Ladenpreis, Lieferzeit sieben Tage. Also wurde schnell bezahlt - und aufs Päckchen gewartet. Doch das kam nie an. Das Geld fand immerhin den Weg zurück - nach neun Wochen mit vielen nervigen Warteschleifen und bösen Briefen.

"Das war Pech", sagt Simone Vintz, Testleiterin für den Bereich Dienstleistungen bei Stiftung Warentest in Berlin. Typisch für das Einkaufen im Internet sei der Ärger mit dem Mannheimer Onlinehändler zwar nicht. Solche Probleme gehörten aber zu den Risiken, derer sich Schnäppchenjäger in den Weiten des Web bewusst sein sollten.

Bei Vorkasse wie im beschriebenen Fall - sollten Käufer immer vorsichtig sein, warnt die Warentesterin. Besser dran ist, wer sein Geld nicht aus der Hand gibt, bis die Ware ins Haus kommt. Vintz rät, möglichst per Rechnung zu bezahlen. Erstes Kriterium zur Beurteilung des Anbieters ist der Warentesterin zufolge die Webseite. Macht sie einen unprofessionellen, unaufgeräumten Eindruck, besteht Anlass zu vermuten, dass es um die Büro- und Lagerräume ähnlich bestellt ist.

Indizien zur Beurteilung von Anbietern liefern auch Foren und Newsgroups, die über die gängigen Suchmaschinen ebenfalls leicht zu finden sind. Viel mehr als das Eintippen des Anbieternamens ist dazu nicht notwendig. Eine Übersicht bieten zudem Bewertungsportale wie " Ciao.de ", " Dooyoo.de ", " Yopi.de " oder " Idealo.de ".

"Überzeugen Sie sich vor dem Bestellen, dass auf der Anbieter-Website Name und Anschrift des Unternehmens angegeben sind", rät Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sollten von jeder Seite des Internetauftritts abrufbar sein. Wer sicher gehen will, speichert die Seiten mit den AGB auf der eigenen Festplatte.

Ebenso sollten die Beschreibung des Artikels sowie Preise, Versandkosten und Abbildungen gespeichert werden. Sabine Fischer rät, sensible Informationen wie Konto- oder Kreditkartendaten nur über verschlüsselte Webseiten preiszugeben.

Zwar sind Online-Shops rund um die Uhr erreichbar. Das heißt aber nicht, dass die Ware sofort geliefert wird. "Wir haben festgestellt, dass Waren, die angeblich sofort lieferbar waren, tatsächlich erst eine Woche später ankommen", sagt Simone Vintz.

Der Vorteil des Internets besteht darin, dass sich schnell ein Überblick über den Markt gewinnen lässt - egal ob der Kauf nun tatsächlich über das Netz getätigt wird oder nicht. Preisdatenbanken und Vergleichsportale - etwa " Guenstiger.de ", " Geizkragen.de ", " Geldsparen.de ", " Billiger-Einkaufen.info " oder " Kelkoo.de " - helfen, Angebote ausfindig zu machen.

Bei der Schnäppchenjagd im Internet ist auf jeden Fall zu klären, ob der Verkäufer ein privater oder gewerblicher Anbieter ist. "Private Verkäufer können Gewährleistungsrechte vollständig ausschließen", warnt Verbraucherschützerin Sabine Fischer. "Gesetzliche Widerrufs- beziehungsweise Rückgaberechte haben Verbraucher nur gegenüber gewerblichen Anbietern."

Dieser Hinweis wäre auch beim Kauf des Scanners von Vorteil gewesen. Der kam zwar neu und originalverpackt mit Herstellergarantie lange vor dem erstatteten Geld mit der Post, gekauft für noch weniger Geld von einem Anbieter über eBay. Doch die zugehörige OCR-Software zur Texterkennung "versteht" nur Englisch, und sie will sich partout nicht an deutsche Umlaute gewöhnen.

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