60854

Ein Blick hinter die Kulissen: Arbeiten bei Dell in Irland

Mehr als 3000 Menschen arbeiten für den weltweit größten Computerhersteller im idyllischen Limerick, rund die Hälfte davon Frauen.

Band 5 im irischen Werk Limerick des US-Computerriesen Dell: In nur vier bis fünf Minuten haben die Arbeiter ein Notebook zusammengesetzt. "Die Tests dauern länger", sagt der für die Qualität zuständige Direktor Martin Noonan. "Eine Person baut und testet das ganze System." Drei bis vier Stunden dauert es, bis der Computer fertig verpackt das Werk verlässt. Mehr als 3000 Menschen arbeiten für den weltweit größten Computerhersteller im idyllischen Limerick, rund die Hälfte davon Frauen.

"Menschen sind flexibler als Roboter", sagt Noonan zu dem hohen Personaleinsatz. Dell setzt auf Wachstum und stellt weiter ein. "Am Ende des Werks können wir weitere Produktionslinien einziehen", sagt Noonan. Dell will in Europa ein weiteres Werk bauen. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen den Standort bekannt geben.

Hoffnungen macht sich unter anderem Halle in Sachsen-Anhalt, wo Dell am Mittwoch ein Call Center offiziell eröffnet hat. Rund 200 Menschen arbeiten seit Anfang September in dem Service- und Vertriebscenter. In drei bis fünf Jahren soll die Zahl der Mitarbeiter auf bis zu 1000 steigen. Noch sei keine Entscheidung zu dem geplanten neuen Werk gefallen, sagte der für das Geschäft mit privaten Endverbrauchern und dem Mittelstand zuständige Dell-Manager Aongus Hegarty der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX.

Die Produktionsabläufe bei Dell in Limerick unterscheiden sich deutlich von herkömmlichen Fabriken. Hier wird nicht auf Halde gefertigt. Alle zwei Stunden werden am Anfang von Band 5 die neuen Aufträge ins Produktionssystem geladen. Dann wird für jedes neue Notebook ein Einkaufskorb mit den vom Auftraggeber bestellten Bauteilen zusammengestellt - jeder Computer ein Einzelstück vom Fließband. Bis auf das Rattern der Transportbänder herrscht konzentrierte Stille in den Hallen. Komponenten werden nur für acht Stunden vorgehalten, große Lagerbestände gar nicht erst aufgebaut.

"Manche Unternehmen halten einen hohen Auftragsbestand für eine gute Sache. Wir nicht", sagt der Chef des Werks, Nicky Hartery. "Derzeit arbeiten wir 70 Prozent der verfügbaren Zeit pro Tag, um unsere Produkte zu den Kunden zu bringen. Wir würden auch 24 Stunden arbeiten." Eile ist geboten. Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Computer und deren Komponenten sinken schnell. Andere Unternehmen der Branche müssen oft Abschreibungen auf Lagerbestände vornehmen. Wer schnell genug ist, kann den Kunden günstigere Preise bieten.

Die Arbeitszeiten richten sich nach dem Eingang der Bestellungen. "Die Nachfrage verschiebt sich zum Wochenende. Die Leute bestellen samstags oder sonntags über das Internet", sagt Noonan. Deshalb wurde für einen Teil der Belegschaft eine 36 Stunden-Woche eingeführt, je 12 Stunden am Freitag, Samstag und Sonntag. "Gut für junge Eltern", findet Noonan. "So müssen sie sich nicht auf die Suche nach einem Krippenplatz machen." Daneben gibt es noch Schichtpläne mit fünfmal acht und viermal zehn Stunden pro Woche.

Bezahlt wird nach Leistung. Und die wird ständig neu bewertet. Alle drei Monate werden Noonan zufolge Einzelgespräche geführt. Was zählt sind neben Anwesenheit und Produktivität auch Qualität und Arbeitssicherheit. "Bessere Leute werden besser bezahlt", sagt Noonan. "Neben der individuellen Leistung spielt auch noch eine Rolle, wie das Unternehmen abschneidet. Daran orientiert sich die Höhe der Bonuszahlungen. Möglicherweise kriegt hier jeder einen anderen Lohn." Das Alter seines ältesten Mitarbeiters kennt er nicht. "Aber hier sind auch schon Leute in Rente gegangen", versichert er. Einen Betriebsrat gibt es nicht.

Das Notebook auf Band 5 hat sich unterdessen von der Montage zu einem ersten Qualitätscheck bewegt. Hier wird es unter anderem auf Kratzer geprüft. Anhand der Kennnummer des Produkts ließe sich herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Dann geht es weiter zum Systemtest und zum Aufspielen der Software. "Hier geht nichts raus, was nicht hundertprozentig funktioniert", sagt Noonan. Das fertig verpackte Gerät schlittert am Ende über eine Rutsche zum Frachtausgang. "Qualität ist ein Geisteszustand", steht an der Wand der Fabrik.

0 Kommentare zu diesem Artikel
60854