61056

Ebay: Ein Angebot vorzeitig richtig beenden

02.09.2005 | 11:39 Uhr |

Sie haben bei Ebay eine Auktion laufen, die Sie gemäß den Ebay-Richtlinien vorzeitig beenden wollen. Sind Sie damit in jedem Fall aus dem Schneider?

Sie haben bei Ebay eine Auktion laufen, die Sie gemäß den Ebay-Richtlinien vorzeitig beenden wollen. Sind Sie damit in jedem Fall aus dem Schneider?

Grundsätzlich sind alle bei Ebay eingestellten Artikel verbindliche Angebote. Verkäufer dürfen eine Auktion daher nur in Ausnahmefällen vorzeitig beenden – etwa dann, wenn sich die Beschaffenheit des Artikels verändert hat oder er zerstört wurde ( www.pcwelt.de/356 ). Hat bereits jemand auf den Artikel geboten, darf der Verkäufer diese Gebote streichen. Beenden darf er die Auktion jedoch nur dann, wenn sie noch länger als zwölf Stunden laufen würde.

Wer die Ebay-Funktion "Angebot vorzeitig beenden" im erlaubten Zeitraum nutzt, ist trotzdem nicht aus dem Schneider. Das Oberlandesgerichtes Oldenburg hat in einem Urteil vom 28.07.2005 festgestellt (AZ 8 U 93/05, www.pcwelt.de/bd3 ), dass ein verbindliches Angebot auch bei vorzeitigem Beenden der Auktion weiterhin gilt. Mit anderen Worten: Der Verkäufer muss unter Umständen dennoch an den Höchstbietenden verkaufen.

Bitter ist das für Anbieter, die sich tatsächlich in der Artikelbeschreibung geirrt haben oder den Artikel nicht mehr verkaufen können, weil er tatsächlich kaputt oder nicht mehr vorhanden ist. Ins Auge gehen kann das auch für diejenigen, die ihr Angebot zurücknehmen, weil sie merken, dass sie nicht den gewünschten Verkaufspreis erzielen.

Nur die Funktion „Angebot vorzeitig beenden" zu benutzen, reicht also nicht aus, sich aus einem Kaufvertrag auszuklinken. Der Verkäufer kann höchstens versuchen - so Rechtsanwalt Johannes Richard ( www.internetrecht-rostock.de ) - den Kaufvertrag wegen Eigenschaftsirrtum anzufechten (§ 119 BGB).

Pech hatte der Verkäufer in dem Fall, der vor dem Oberlandesgericht Oldenburg verhandelt wurde: Er hatte ein Fahrzeug angeboten und die Auktion vorzeitig abgebrochen. Nach der Besichtigung des Fahrzeugs mit einem potentiellen Interessenten habe er festgestellt, dass das Fahrzeug mehr Mängel habe als angenommen. Das Oberlandesgericht ging aber von einem rechtswirksamen Kaufvertrag zwischen dem Verkäufer und dem Höchstbietenden aus, so dass der Käufer einen Anspruch auf Schadenersatz wegen Nichterfüllung hatte. Auf die Anfechtung des Vertrags wegen Irrtum konnte sich der Beklagte hier nicht berufen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
61056