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Ebay-Geschäftsführer misstraut offenbar Paypal

06.06.2008 | 14:22 Uhr |

Ein Ebay-Verkäufer, der für eine Auktion Paypal anbieten muss, misstraut dem System und verlangt von den Käufern bei Zahlung per Paypal eine Personalausweiskopie. Die Nachricht wäre banal, wenn es sich bei dem Verkäufer nicht um Frerk-Malte Feller handeln würde, einen der Ebay-Deutschland-Geschäftsführer, der davor Paypal-Geschäftsführer war.

Es geht um EM-Tickets, die der Anwender „ Frerk-Malte “ bei Ebay verkauft. Aus früheren Auktionen ist bekannt (und Ebay bestätigt dies), dass es sich bei dem Verkäufer um Frerk-Malte Feller handelt, den ehemaligen Paypal -Deutschland-Geschäftsführer, der seit diesem Jahr Geschäftsführer für den Auction-Bereich von Ebay Deutschland ist. Mindestens 12 Eintrittskarten für EM-Spiele wurden zwischen Ende Mai und Anfang Juni durch ihn versteigert und gingen zu Preisen zwischen 355 und 643 Euro pro Ticketpaar weg.

Doch abgesehen davon, dass eine solche Verkaufsaktion nur schwerlich mit den Vergaberichtlinien (siehe Punkt 12) der UEFA konform geht, die einen Weiterverkauf der Tickets nur in Ausnahmefällen vorsieht, ist noch etwas anderes interessant: Der Verkäufer f ordert vom Käufer aus Sicherheitsgründen eine Kopie von Personalausweis und Kreditkarte , wenn dieser die Karten per Paypal bezahlen will. Als Begründung gibt er an, Paypal-Verkäufer seien „nur bei Beachtung dieser Bedingungen vor unberechtigten Rückbuchungen“ geschützt.

Das ist eine Aussage, die man so explizit von Ebay oder Paypal noch nicht gehört hat, auch wenn Paypal-Kritiker bereits seit langem vor derartigen Risiken warnen. Demnach haben Anwender, die Waren ohne diese Sicherheitsvorkehrungen über Paypal-Zahlung anbieten, das Problem, das sie trotz korrekter Warenlieferung möglicherweise nicht an ihr Geld kommen – und das sind die meisten, wie ein Blick in die Angebote zeigt. In der Tat, bestätigt Ebay-Sprecherin Maike Fuest: „Paypal besitzt zur Zeit noch keinen Schutz für ungerechtfertigte Kreditkartenrückbuchungen aus dem Ausland. Es ist also durchaus legitim, dass Herr Feller eine solche Vorsichtsmaßnahme fordert.“

Dabei ist gerade der Kauf über Ländergrenzen hinweg ein gern genutztes Argument für Paypal – schneller, ohne Auslandsüberweisungsgebühren und reibunglos solle das gehen. Doch dass es hier immer wieder zu ungerechtfertigten Rückbuchungen kommt – oft Monate später – gegen die sich der Verkäufer nicht oder nur mühsam wehren kann, lässt sich in mehreren Beiträgen im Ebay-Forum nachlesen.

Warum man den Kunden dann diese Vorsichtsmaßnahme nicht generell ans Herz legt oder anderweitig Sicherheit schafft, ist unklar. Sicher ist jedenfalls, dass es für einen Käufer alles andere als ratsam ist, einem Unbekannten seine Kreditkartenkopie zusammen mit der Ausweiskopie zu übersenden – Betrug ist hierbei nicht ausgeschlossen.

Eher marginal ist ein anderes Vergehen, das der Verkäufer bei seinen Auktionen begeht: Laut der Ebay-Richtlinien sind Ebay-Mitarbeiter dazu verpflichtet, innerhalb des Profils ihre Identität als Ebay-Mitarbeiter zu offenbaren. Doch was für den kleinen Callcenter-Mitarbeiter gilt, hat offenbar für den Chef nicht immer Gültigkeit: „Herr Feller hat sein Profil absichtlich nicht gekennzeichnet, um nicht unnötig Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken“, berichtet Maike Fuest. Wenig verständlich, dass er dann seinen sehr ungewöhnlichen Vornahmen als Ebay-Namen wählt. Und dass er in anderen Auktionen sehr wohl offen zeigt , dass er für Ebay arbeitet. Immerhin, so berichtet die Sprecherin, seien alle Käufer im Nachhinein von ihm darüber informiert worden, wer er ist.

Das alles wäre nur halb so schlimm, wenn Ebay nicht mit zahlreichen Maßnahmen versuchen würde, den Kunden den zur eigenen Unternehmensgruppe gehörenden Bezahldienst schmackhaft zu machen: Den bei Ebay üblichen Käuferschutz gibt’s seit einigen Wochen nur noch für Anwender, die ihren Kauf über Paypal abwickeln (und dabei eine Vielzahl von Punkten beachten). Auch erscheinen Anbieter die Paypal anbieten, in den Ergebnislisten weiter oben als solche, die das nicht tun. Einige Warengruppen, etwa Apples iPhone und Tickets für die EM, dürfen sogar nur versteigert werden, wenn Paypal als Zahlungsweg angeboten wird. Umgekehrt wurde aber mindestens einem Kunden das Geld für über Paypal verkaufte Eintrittskarten zur EM verweigert – mit der Begründung, Eintrittskarten dürften generell nicht per Paypal bezahlt werden – ein Widerspruch, den auch Ebay nicht erklären kann und mit „wahrscheinlich eine menschliche Fehlentscheidung“ kommentiert.

Wie’s weitergehen kann, zeigt Australien: Beim dortigen Ebay-Marktplatz können ab Mitte Juni Geschäfte (neben Barzahlung bei Übergabe) ausschließlich über Paypal abgewickelt werden – ein Umstand, der die dortigen Wettbewerbshüter auf den Plan ruft. Auch wenn Ebay dementiert, dass es auch hierzulande konkrete Pläne zur Umsetzung eines Paypal-Zwangs gibt, teilte der britische Ebay-Ableger kürzlich mit, dass dort Paypal-Zahlung verpflichtend bei Auktionen angeboten werden muss.

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