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Microsoft bietet Warenwirtschaft für Kleinunternehmen

22.01.2008 | 09:03 Uhr |

Mit "Dynamics Entrepreneur" willl Microsoft Unternehmen mit zehn und 50 Angestellten ansprechen. Für 895 Euro pro User bietet die integrierte Software eine ganze Reihe betriebswirtschaftlicher Standardfunktionen.

Dynamics Entrepreneur soll Microsoft eine neue Kundengruppe erschließen, und zwar über den Fachhandel: Small Business Partner sollen die Software verkaufen und beim Kunden einführen. Diese Microsoft-Partner hatten bisher zwar beispielsweise Office- und Windows-Software bei kleinen Unternehmen installiert, nicht jedoch Buchhaltungsprogramme. Microsoft setzt darauf, dass ein Vertriebsnetz mit Partnern entsteht, die in der Lage sind, Dynamics Entrepreneur auf den Rechnern der Kunden einzurichten. Dies soll schnell und kostengünstig zu erledigen sein: Nach rund drei Tagen sind laut Microsoft das Programm installiert, die Konten eingerichtet und die Stammdaten über eine Excel-Schnittstelle importiert und angelegt.

Für den Aufbau des neuen Vertriebsnetzes soll der in Soest beheimatete Distributor Actebis Peacock sorgen. Dieser hatte sich bisher noch nicht mit dem Verkauf von ERP-Software beschäftigt, will aber "genügend Kapazitäten" bereitstellen, um einerseits die Partner zu unterstützen und andererseits kostenpflichtigen Support für Vertriebspartner sowie Endkunden zu leisten.

Daneben soll es eine kleine Zahl von klassischen Dynamics-Partnern geben - Microsoft rechnet hier mit etwa zehn Unternehmen - die neben ihrem NAV- und AX-Geschäft zusätzlich in die Vermarktung von Dynamics Entrepreneur einsteigen. Robert Helgerth zufolge sei der Kannibalisierungseffekt zwischen NAV und Entrepreneur gering, da sich beide Produkte trotz der gleichen Grundlage unterscheiden. Helgerth ist Direktor Mittelstand und Partner sowie Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland.

Dynamics Entrepreneur stützt sich auf die Technik der Microsoft-Software Dynamics NAV 5.0. Jedoch wurden gegenüber dem größeren Produkt die Masken sowie die Navigationstiefe reduziert. Laut Finn Boyson, Business Development Manager für das neue Microsoft-Produkt, soll die Bedienung für den Benutzer so einfach sein wie die der Office-Produkte des Konzerns.

Gegenüber Dynamics NAV verfügt die Software über keine Fertigungssteuerung, sondern fasst Funktionen für die Finanzbuchhaltung, Ein- und Verkauf sowie die Lagerverwaltung zusammen. Spezialfunktionen von unabhängigen Softwarehäusern (ISVs) für unterschiedliche Branchen, die mit zur Verbreitung von Dynamics NAV beigetragen haben, gibt es noch nicht, Microsoft will aber ISVs dafür erwärmen, auch für das neue Produkt entsprechende Erweiterungen schreiben.

Um das Produkt von den bestehenden Microsoft-Angeboten abzugrenzen, sind die Zahl der gleichzeitigen Nutzer auf fünf beschränkt und der Funktionsumfang eingeschränkt. Die Anzahl gleichzeitiger Anwender lässt sich aber ausbauen. "Wer später mehr gleichzeitige Anwender aufschalten will, muss nur einen neuen Lizenzvertrag abschließen, kann aber mit der gleichen Software weiterarbeiten", so Helgerth.

Ihm zufolge reiche für den Betrieb der Software für einen Nutzer bereits ein handelsübliches Notebook aus, grundsätzlich ist die ERP-Software aber für den Mehrplatzbetrieb auf einem Server gedacht. Auch ein Umstieg auf Dynamics NAV und damit auf einen höheren Funktionsumfang ist ohne größeren technischen Aufwand machbar, verspricht der Manager. Somit könne Microsoft einen Wachstumspfad für kleine Firmen bieten, der nicht mit einer technischen Migration erkauft werden müsse.

Als Datenbank nutzt das Programm "SQL Express", eine Runtime-Variante des SQL Server von Microsoft. Somit bleibt das native Datenbanksystem "C/Side" von Dynamics NAV außen vor. SQL Express ist nicht neu, denn es liegt dem Produkt "Access" von Microsoft zugrunde. Sobald Anwender anspruchsvollere Auswertungen fahren wollen, benötigen sie den SQL Server und müssen eine Lizenz dafür erwerben. Hier hofft der Konzern, zusätzlich zum ERP-System den hauseigenen "Small Business Server" verkaufen zu können. Er enthält unter anderem das Windows-Betriebssystem für Server, die besagte Datenbanksoftware und den Exchange Server.

Zu den Besonderheiten zählt Microsoft ferner die Integration in die hauseigene Office-Software. Damit können Anwender Geschäftsdaten aus der ERP-Software in Excel exportieren, um beispielsweise Berichte zu erstellen. Outlook-Nutzer können ihre Kontaktdaten, Termine und Aufgaben mit entsprechenden Datensätzen in Dynamics Entrepreneur abgleichen, sofern sie Office 2003 oder 2007 verwenden. Allerdings bieten mittlerweile auch zahlreiche Konkurrenten von Microsoft eine ERP-zu-Office-Anbindung an.

Für die Wartung verlangt Microsoft 16 Prozent vom Kaufpreis der Software. Darin sind Supportleistungen jedoch nicht enthalten. Eine Telefon-Hotline kostet für den Endkunden knapp zwei Euro pro Minute. "Das sind branchenübliche Preise", versichert Microsoft.

Microsoft-Manager Helgerth zufolge steht Dynamics Entrepreneur zwar im Wettbewerb mit Produkten von Lexware und Sage. Beide Konkurrenzunternehmen entwickeln und vertreiben schon seit vielen Jahren Programme für kleine Unternehmen, mitunter werden diese aber auch von Einzelpersonen genutzt. Doch die Ablösung solcher Programme ist nicht das vornehmliche Ziel von Helgerth. Vielmehr gelte es, die zahlreichen Unternehmen, die noch über keine betriebswirtschaftlichen Programme verfügen, sondern diese Aufgaben Steuerberatern überlassen beziehungsweise nur mit Excel und Word arbeiten, zu Käufern einer integrierten Standardsoftware zu machen. Microsoft beziffert die potenziell erreichbaren Firmen in Deutschland auf 300 000.

Nach den Plänen von Microsoft soll Dynamics Entrepreneur auch in anderen europäischen Ländern eingeführt werden. In den Niederlanden ist der Vertrieb bereits angelaufen. In den USA dürfte die Software hingegen nicht erscheinen, da Microsoft hier seit einiger Zeit mit "Small Business Accounting" ein an eine ähnliche Zielgruppe gerichtetes System anbietet. (fn)

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