29950

Facebook und Co im Fadenkreuz

08.03.2010 | 16:15 Uhr |

Strengerer Kontrollrichtlinien für digitale Werbepraktiken will die britische Advertising Association (AA). Dabei denkt sie vor allem an Online-Plattformen wie Facebook, MySpace und Twitter, wo sie die User vor ungekennzeichneter Werbung schützen will.

Die britische Advertising Association (AA) hat einem Plan zugestimmt, der die Einführung strengerer Kontrollrichtlinien für digitale Werbepraktiken vorsieht. Der Organisation, die als offizieller Vertreter der Werbe- und Medienindustrie Großbritanniens auftritt, geht es dabei vor allem um eine Ausweitung der bereits existierenden Standards für Presse, TV, Plakat- und Radiowerbung. Diese sollen künftig auch für Online-Plattformen wie Facebook, MySpace und Twitter gelten. Auf diese Weise sollen insbesondere jüngere Internetnutzer vor fragwürdiger, oft ungekennzeichneter Werbung geschützt werden.

"Dies ist ein bedeutender Schritt sowohl für die Werbebranche als auch für das Internet", erklärt Nick Stringer, Direktor im Bereich Regulatory Affairs beim britischen Internet Advertising Bureau (IAB ), das sich laut Guardian-Bericht bereits seit längerem für eine strengere Kontrolle von Facebook und Co einsetzt. Bislang würden im Online-Bereich lediglich Banner- und Display-Ads geprüft. "Durch die Ausweitung wird sichergestellt, dass Online-Werbung genauso verantwortungsvoll, legal und ehrlich ist wie andere Werbeformen", betont Stringer.

Gekaufte Meldungen weit verbreitet

Dass die britischen Werbekontrolleure künftig gerade Online-Dienste wie Facebook und Twitter stärker unter die Lupe nehmen wollen, kommt nicht von ungefähr. Hintergrund für die Verschärfung der Richtlinien ist die mittlerweile weit verbreitete Praxis vieler Werbetreibenden, Blogger und Mitglieder von Community-Portalen für die Verbreitung der eigenen Marketingbotschaften einzusetzen. Für den User ist hierbei zumeist nicht klar ersichtlich, dass es sich um bezahlte Postings und nicht um eine objektive Meinung handelt.

Die auf diese Weise beabsichtigte Täuschung der Nutzer ist nicht nur den britischen Konsumentenschützern ein Dorn im Auge. In den USA hat die zuständige Regulierungsbehörde Federal Trade Commission (FTC) bereits im Oktober vergangenen Jahres strengere Werberichtlinien für Blogger sowie für Facebook- und Twitter-Nutzer aufgestellt.

Deutsche Regelungen ausreichend

"Ob die in Großbritannien geforderten zusätzlichen Regeln für den Online-Bereich die User besser schützen können, halte ich für eher fraglich. Ich gehe davon aus, dass der durchschnittliche Konsument sehrwohl erkennen kann, wann er es mit Werbung zu tun hat", meint Volker Nickel, Sprecher des Deutschen Werberats , auf Anfrage von pressetext. In diesem Zusammenhang sei in Deutschland das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ausschlaggebend, das es den Werbetreibenden verbietet, einen falschen Eindruck zu erwecken. "Diese Regelung ist vollkommen ausreichend", so Nickel abschließend.

(pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
29950