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Doch kein Kopierschutz für Windows?

16.01.2001 | 16:08 Uhr |

Der Wirbel um die Einführung eines Kopierschutzes für Windows nimmt kein Ende. Die ursprüngliche Planung: Die Lizenz des Betriebssystems soll dann nur noch für einen bestimmten Rechner gelten, und zwar den, auf dem es erstmals installiert wurde. Mittlerweile jedoch scheint Microsoft seine Pläne zu überdenken.

Wir schreiben das Jahr 2001. Die ganze Welt ist in der Hand eines kopiergeschützten Windows Whistler. Die ganze Welt? Nein - Ein kleiner Stamm germanischer Widerständler kämpft gegen den Whistler-Schutz.

So ähnlich könnte man die Erwägungen umschreiben, die Microsoft in Bezug auf die Einführung seiner neuen Kopierschutz-Technik beziehungsweise Lizenzmodells in Deutschland unternimmt. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) zufolge ist derzeit noch nicht gesichert, ob diese Technik in Deutschland überhaupt eingeführt wird.

Der Grund: PC-Nutzer in Deutschland gelten bei Microsoft als besonders aufsässig und aufgeschlossen bei der Verwendung anderer Betriebssysteme, wie etwa Linux.

"Die deutschen PC-Besitzer gehören bei uns zur Kategorie 'besonders kritisch'", so Microsoft-Sprecher Tomas Jensen gegenüber der FTD. Sollte eine erneute Installation der käuflich erworbenen Windows-Version künftig nicht mehr möglich sein oder unverhältnismäßig erschwert werden, müsste Microsoft mit Umsatzeinbußen auf dem wohl lukrativsten Markt in Europa rechnen.

Der Kopierschutz soll über einen so genannten Aktivierungsschlüssel funktionieren: Der Käufer eines Betriebssystems muss Microsoft zuerst dessen Produktschlüsselnummer sowie die Seriennummern der Hardware und der Grafikkarte mitteilen. Der Software-Konzern erstellt dann aus diesen Angaben den Aktivierungsschlüssel, der nur für den genannten PC gilt. Sollte nur ein Teil des PCs ausgetauscht werden, beispielsweise die Grafikkarte, wäre dieser Schlüssel-Code hinfällig und das Betriebssystem würde nach 50 Tagen seinen Dienst verweigern.

Je schwieriger die Lizenzbedingungen für Unternehmen sind, desto länger werden diese wohl auch mit einer Aufrüstung vorhandener Betriebssysteme warten. Microsoft würde somit selbst den Absatz vieler Updates verhindern und den Erfolg des neuen Betriebssystems damit stark beeinflussen.

In anderen Ländern rechnet Microsoft hingegen nicht mit Schwierigkeiten seitens der Anwender. Tests zufolge ist das System in den USA gut angekommen. (PC-WELT, 16.01.2001, mp)

PC-WELT Report: Die Microsoft-Probleme

Nutzer wollen Win-Vollversionen (PC-WELT Online, 15.01.2001)

Microsoft fürchtet Linux (PC-WELT Online, 15.01.2001)

IE 6.0 nur als Kaufversion? (PC-WELT Online, 14.01.2001)

Neues Lizenzmodell für Whistler (PC-WELT Online, 08.01.2001)

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