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Kultur-Flat? Warum nicht?

14.03.2008 | 14:19 Uhr |

In Sachen P2P, Musikindustrie und den Endanwendern tut sich derzeit nicht allzu viel. Klar: Es wird hier und da geklagt, es werden Vergleiche geschlossen, Kläger und Anwälte sind ein wenig reicher und der Beklagte überlegt sich künftig zweimal, ob sich per Tauschbörse mit den neuesten Hits versorgt. Dabei könnte alles so einfach sein - dank Pauschalabgaben, Kultur-Flat oder wie auch immer man das benennen möchte. Eine Diskussion.

Jeder hat Feindbilder: Ob auf internationaler ("Schurkenstaaten"), nationaler ("Politiker") oder wirtschaftlicher Ebene ("Raubkopierer"). Doch gerade bei der Thematik Musikindustrie kontra Tauschbörsennutzer ist es in letzter Zeit relativ ruhig geworden. Selbstverständlich wird noch immer geklagt, auf der anderen Seite aber immer noch gesaugt (wenn auch immer weniger). Der Weisheit letzter Schluss kann das Ganze also nicht sein, an neuartigen Lösungen scheint man aber nicht sonderlich interessiert zu sein. Sicherlich: Es gibt mittlerweile Myriaden von legalen Online-Musikshops, Abo-Diensten und ähnlichem, doch an die Beliebtheit von P2P kommen diese bei weitem nicht heran.

Warum wird eigentlich die Idee einer pauschalen Abgeltungsgebühr nicht weiter verfolgt? Ja, die Idee ist nicht neu, aber in letzter Zeit ein wenig in der Versenkung verschwunden. Höchste Zeit also, die wieder mal ans Tageslicht zu kramen.

Definieren wir einmal den Status quo: Anwender nutzt Tauschbörse, lädt Musik/Video/Software herunter. Er wird erwischt, verklagt und muss zahlen. Industrie ist froh, Anwender ist sauer. Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass der beschriebene Anwender nie wieder etwas von der Prozess-führenden Firma kaufen wird. Warum versucht man stattdessen nicht, tauschbörsende Nutzer zu zahlenden Kunden zu machen? Und die ganze P2P-Thematik aus der Illegalität zu holen?

Ein Ansatzpunkt wäre der ISP, den jeder Internet-Nutzer benötigt. Im Sinne der Industrie könnte man einen Betrag X definieren (zum Beispiel zwischen 5 und 10 Euro monatlich), der optional auf die normalen Kosten für den Internetanschluss aufgeschlagen wird und im Gegenzug die vollständige legale Nutzung aller P2P-Inhalte erlauben würde.

Gehen wir mal in Deutschland von rund 40 Millionen Haushalten aus. Davon sollen dieses Jahr die Hälfte über Breitbandinternet verfügen, macht also 20 Millionen. Der Einfachheit halber unterstelle ich wiederum 50 Prozent, die Interesse an einer Pauschalabgabe haben. Macht unterm Strich 10 Millionen Haushalte, die monatlich zwischen 5 und 10 Euro zahlen würden, also zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Aufs Jahr gerechnet wären dies also zwischen 600 Millionen und 1,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz der Musikindustrie in Deutschland betrug im vergangenen Jahr 1,65 Milliarden Euro.

Das über die Pauschale eingenommene Geld müsste dann nur noch nach einem von allen Beteiligten festzulegenden Schlüssel an die Industrie/Künstler verteilt werden - fertig.

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