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IT-Fachkräfte-Mangel - Tatsache oder Lüge?

10.10.2007 | 13:16 Uhr |

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA lamentieren die Unternehmen über den Mangel an IT-Fachkräften und fordern als Abhilfe den Zuzug ausländischer Experten. Doch gibt es wirklich zu wenig IT-Experten? Oder wollen die Unternehmen nur die Gehälter ihrer Techniker drücken? In den USA wird diese Frage derzeit heftig diskutiert.

Denn der Arbeitsmarkt ist in den USA - und vielleicht auch bei uns - keineswegs so leer gefegt, wie es die Industrie und deren Lobby-Vertreter glauben machen wollen. Selbst gut qualifizierte Fachkräfte mit akademischen IT-Abschluss und 20 Jahren Berufserfahrung finden oft nur zeitlich befristete Angebote im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wie jetzt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Businessweek berichtet.

Ein 44-Jähriger IT-Experte, der dem eben genannten Profil entspricht, stieß mit seiner Bewerbung beispielsweise bei Microsoft auf taube Ohren, obwohl das Unternehmen angeblich 3000 freie Stellen für Techniker vorweisen kann. Und ausgerechnet Microsofts Oberguru Bill Gates wird nicht müde, ständig den Mangel an IT-Fachkräften zu beklagen. Bill Gates wäre nicht er selbst, wenn er auch nicht gleich die Lösung für dieses Problem zu Hand hätte: Ausländische Kräfte sollen die (angeblichen) Lücken schließen helfen, weswegen man ihnen Green Cards großzügig gewähren sollte.

Somit stehen sich in den USA zwei Aussagen gegenüber: Unternehmen, die über einen Mangel an qualifizierten IT-Fachleuten klagen. Und Arbeitssuchende, die ihrerseits über einen Mangel an geeigneten freien Stellen klagen .

In der Tat ist die Arbeitslosenquote unter IT-Kräften in den USA niedrig, sie wird offiziell mit 1,8 Prozent für das zweite Quartal 2007 angegeben. Die Arbeitnehmerseite hält mit dem Hinweis dagegen, dass die Gehälter für IT-Fachleute immer noch unter denen im Jahr 2000 liegen, wenn man den Inflationsverlust berücksichtigt. Ganz offensichtlich halten es die Unternehmen also nicht für nötig, Experten mit höheren Gehältern zu locken. Das führt dazu, dass manche Arbeitsmarktexperten bereits von der " großen Lüge " sprechen: Sprich: Das es überhaupt keinen Mangel an IT-Kräften in den USA gibt und die Firmen mit dieser "Lüge" nur erreichen wollen, dass der Staat den Arbeitsmarkt durch die großzügige Vergabe von Greencards für ausländische Fachkräfte weiter öffnet. Da diese ausländischen IT-Experten in der Regel für deutlich niedrigere Gehälter arbeiten, könnten die US-Arbeitgeber so die Gehälter für IT-Personal generell drücken.

Die Frage, wer Recht hat, lässt sich nur schwer beantworten, zumal es innerhalb der großen IT-Jobfamilie immer wieder zu Nachfrageänderungen kommt.

Was ist Ihre Meinung zu dieser Problematikauch und ganz besonders auf die Lage in Deutschland bezogen ? Gibt es wirklich zu wenig IT-Fachleute und sollte man deshalb den Zuzug ausländischer Experten erleichtern? Oder ist der Fachkräfte-Mangel nur Unternehmens-Propaganda, um leichter an billige und willige ausländische Fachkräfte ranzukommen? Und tragen die Firmen selbst Schuld an einem etwaigen Mangel, weil sie zu wenig ausbilden oder in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet haben ?

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