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Mobil telefonieren bald kostenlos?

Die Discountanbieter liefern sich permanente Preisschlachten - zur Freude des Kunden, der immer weniger fürs mobile Telefonieren bezahlen muss. Aber selbst Preise von unter 10 Cent/Minute könnten in Zukunft überteuert sein. Ein schwedisches Unternehmen plant die 0-Cent-Telefonie.

In der letzten Zeit ist im Bereich der Billig- und Prepaidanbieter etwas Ruhe eingekehrt. Der letzte große Paukenschlag kam vom Provider Debitel, der mit seinem aktualisierten Crashtarif mit Minutenpreisen bis hinunter zur 5 Cent-Marke punkten konnte.

Doch auch das könnte nach den Visionen des schwedischen Konzerns TerraNet bald hoffnungslos überteuert sein. Unglaublich aber wahr: Durch die Umgehung der herkömmlichen Handynetze will der nordische Anbieter mobiles Telefonieren kostenlos machen. Unmöglich? Mitnichten.

Das Prinzip ist denkbar einfach und in ähnlicher Weise auch schon bekannt. Anstatt den Umweg über die normalen Funktürme und Verteiler zu gehen, sollen Handys demnächst per Peer-to-Peer-Netzwerk direkt miteinander verbunden werden. Das hat natürlich seine Grenzen und so können entsprechend ausgestattete Handys durch die effektive Reichweite von etwa einem Kilometer nur innerhalb eines Radius von 2 Kilometern miteinander gekoppelt werden.

Da so allerdings Gespräche über bis zu sieben an das Meshnetzwerk gekoppelte Handys weitergeleitet werden können, ist laut Entwickler die komplette Abdeckung kleinerer Areale wie einem Unicampus oder Dörfern möglich.

Besonders geeignet wäre das System für dünn besiedelte Gebiete, in denen sich der Ausbau des Mobilfunknetzes bislang nicht lohnte; vorausgesetzt, der Abstand von einem Handy zum nächsten wird nicht zu groß. Für Gebiete wie Zentral- und Westeuropa dürften daher keine Probleme zu erwarten sein, menschenleere Einöden und extrem dünnbesiedelte Landstriche wie Alaska oder Sibirien dürften hingegen durch das Raster fallen. TerraNet testet derzeit intensiv in Equador und Tansania.

Um dem "vermeshten" Netz beitreten zu können, müssen herkömmliche Mobiltelefone allerdings zuvor mit einem speziellen Funkmodul ausgerüstet werden. Fortan dienen sie dann dem Netzwerk ebenfalls als Knoten-und Vermittlungspunkt für andere Teilnehmer. Über WLAN sollen dann auch kostenlose VoIP-Gespräche zu anderen TerraNet-Handynutzern weltweit möglich sein. Voraussetzung dafür ist allerdings die Anwesenheit eines mit dem Funkmodul ausgerüsteten Handys in der Nähe des Hotspots.

Geplant ist, dass solche Geräte zukünftig automatisch nach dem Anschalten nach anderen Handys im Umkreis suchen und sich dann in das Meshnetzwerk einwählen. Mit Ericsson hat hat sich TerraNet einen finanzstarken und im Bereich der Mobilfunkinfrastruktur erfahrenen Partner mit ins Boot geholt. Ob Ericsson über sein Joint-Venture mit Sony auch Handys mit Meshconnectivity herstellen wird, ist indes noch nicht bekannt. TerraNets Firmengründer Anders Carlius nannte als möglichen Termin für die Markteinführung Ende 2008. Vorerst gilt dies allerdings nur für Südamerika, Europa soll etwa ein Jahr später hinzu kommen.

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