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Digitale Trennung der Welt

23.01.2001 | 12:18 Uhr |

Die Informations- und Kommunikationstechnologie kann den Weltmarkt revolutionieren, aber sie wird für kaum ein Entwicklungsland den Quantensprung zur wirtschaftlichen Gleichberechtigung bringen.

Die Informations- und Kommunikationstechnologie kann den Weltmarkt revolutionieren, aber sie wird für kaum ein Entwicklungsland den Quantensprung zur wirtschaftlichen Gleichberechtigung bringen.

Davon geht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem Weltarbeitsbericht 2001 unter dem Titel "Arbeitsleben in der Informationswirtschaft" aus. Rund 500 Millionen Jobs fehlen weltweit, so die ILO. Und: Noch hätten viel zu wenig Menschen einen Internetzugang, um einen global ausgleichenden Effekt der Technologie auf den Arbeitsmarkt zu erreichen: Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung nutzen das weltweite Datennetz, 88 Prozent davon leben nach ILO-Angaben in Industriestaaten. Nur gerade mal ein Prozent der Internetnutzer sitzen in Afrika und dem Nahen Osten.

Die in der Realität vorhandene Trennung zwischen Arm und Reich, zwischen wohlhabenden Industrie- und verschuldeten Entwicklungsländern setzt sich also auch in der virtuellen Welt fort: Es entsteht eine digitale Trennung" der Welt.

Die Zahl der Arbeitslosen weltweit lag bei 160 Millionen Menschen, also um 20 Millionen höher als vor dem Gipfel der Asienkrise 1998. Insgesamt habe ein Drittel der arbeitsfähigen Weltbevölkerung keine oder keine angemessene Arbeitsstelle, deren Bezahlung den Lebensunterhalt sichern kann. Weltweit würden nach ILO-Angaben in den nächsten zehn Jahren mehr als 500 Millionen Jobs benötigt, um die Arbeitslosigkeit zu halbieren.

Dennoch geht die Weltarbeitsorganisation von günstigeren Aussichten als in der jüngsten Vergangenheit aus. Hintergrund sei das Wirtschaftswachstum in den USA sowie ein "dynamischeres Europa und eine verbesserte Situation in Japan", heißt es in dem Bericht. Zudem hätten Ostasien und Russland sich schneller als erwartet von ihren Krisen erholt.

In einzelnen Staaten ergebe sich jedoch ein düsteres Bild: In Ost- und Mitteleuropa etwa liegt die Arbeitslosigkeit den Angaben zufolge bei durchschnittlich 14 Prozent - die Spanne reiche jedoch von 16 Prozent in der Tschechischen Republik bis 68 Prozent in Georgien. Besonders betroffen seien junge Menschen, von denen bis zu 30 Prozent - doppelt so viele wie in Westeuropa - ohne Job seien.

Kennzeichnend für die künftige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei Zuwanderung auf Grund von Arbeitsangeboten - wie sie etwa die Bundesrepublik für die IT-Branche per Green Card ermöglicht. Vor allem Indien, Osteuropa und Nordafrika entsenden laut ILO Arbeitskräfte in die westliche Welt.

Nur wenige der einkommensarmen Länder haben die "digitale Trennung" hinter sich gelassen: allen voran Indien mit jährlich um 50 Prozent wachsender Softwareindustrie und Tausenden neuer Jobs. Wichtig sei die Beteiligung auch der Entwicklungs- und Schwellenländer an dem auf 500 Milliarden Dollar geschätzten Software-Markt. Software aus Brasilien und China sowie Hardware aus Malaysia, Thailand und den Philippinen hätten bereits einen Teil des Weltmarktes erobert. (PC-WELT, 23.01.2001, dpa/ lmd)

Internetentwicklung schlecht für arme Länder? (PC-WELT Online, 06.12.2000)

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