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Die letzten Tage des zweiten Weltkriegs auf Twitter

28.01.2015 | 11:31 Uhr |

Der neue Twitter-Kanal @Digitalpast berichtet mehrmals täglich über die letzten Monate des zweiten Weltkriegs. Den Auftakt machten der Kampf um Ausschwitz und die Befreiung der letzten Überlebenden des Vernichtungslagers. Und die von der SS erzwungenen Todesmärsche.

Unter „Heute vor 70 Jahren“ von @Digitalpast findet man für jeden Tag ab dem 26. Januar 1945 mehrere Tweets zu den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs in Mitteleuropa. Den Anfang machte die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Ausschwitz durch die Rote Armee. Die Tweets bringen aber nicht einfach nur historische Daten, sondern liefern Tagebuch-artig Erlebnisse der Menschen damals.

So erfährt man zum Beispiel, dass es am 27. Januar 1945 im von der Roten Armee bedrohten Königsberg noch genug Fleisch zu essen gab. Aber zahlreiche Tiere am Verhungern sind, weil ihre Besitzer geflohen waren. Oder dass fast 2000 weibliche Häftlinge, die die SS aus Auschwitz verschleppt hat, zu Fuß im KZ Ravensbrück angekommen sind. Nach einem furchtbaren Gewaltmarsch von 300 Kilometern in zwei Wochen. Mitten im Winter. Und dass 231 Rotarmisten beim Kampf um Ausschwitz gefallen sind. Und „Lisa de Boor aus Marburg bemerkt, dass manche bei der Sammlung von Uniformen und Ausrüstungsstücken ihre ‚braune Montur‘ loswerden wollen.“ Vor genau 70 Jahren.

„Heute vor 70 Jahren“ von @digitalpast setzt den Twitter-Kanal @9Nov38 fort, der den Ereignissen um die Reichsprogrammnacht vom November 1938 gewidmet war. Die Macher von 9Nov38 und digitalpast verstehen ihre Arbeit als Twistory (ein Kunstwort aus Twitter und History). Sie wollen Geschichte per Twitter erzählen, um damit Leser zu erreichen, die man mit den traditionellen Mitteln der Geschichtsschreibung wie Büchern, Fachzeitschriften oder dem Fernsehen (wie die ARD-Dokumentation über den von Alfred Hitchcock geplanten Dokumentarfilm über die Konzentrationslager des III. Reiches) nicht mehr erreichen kann. Also vor allem jüngeres Publikum, Digital Natives, die vor allem das Internet (ausschließlich) als (mitunter unüberprüfte) Informationsquelle nutzen.

Zu dem Projekt „Heute vor 70 Jahren“ gibt es auch eine Webseite, eBooks und ein gedrucktes Buch. Für all diejenigen, die vielleicht auch etwas längere Texte als nur 140 Zeichen lange Tweets lesen können. Wer Twitter vermeiden möchte, kann die kurzen Häppchen aus der Geschichte auch auf einem Weblog nachlesen. Hinter dem Projekt stehen studierte und studierende Historikerinnen und Historikern aus Deutschland.
 
 

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