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Die Offshore-Region Indien erhält zunehmend Konkurrenz

14.05.2007 | 11:46 Uhr |

Vor allem China, Osteuropa und Lateinamerika gewinnen bei der Verlagerung von IT-Services an Bedeutung.

Die großen IT-Dienstleister haben ihre Offshore-Ressourcen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Berechnungen des Brancheninformationsdiensts "Computerwire" zufolge beschäftigen die 50 größten Anbieter zusammen mittlerweile 430.000 Mitarbeiter in Indien. Das entspricht etwa einem Viertel ihrer insgesamt 1,7 Millionen starken weltweiten Belegschaft. Vor zwei Jahren lag die Zahl der auf dem Subkontinent Beschäftigten noch bei 16 Prozent (212.000 von 1,3 Millionen Angestellten).

IBM und Accenture beschäftigen heute jeweils mehr als 20 Prozent ihrer weltweiten Mitarbeiter in Indien. Bei HP sind es derzeit etwa 17, bei EDS elf Prozent. Capgemini und CSC haben ihre dortige Belegschaft in den vergangenen sechs Monaten vor allem durch Zukäufe erhöht.

Aber auch die großen indischen Anbieter tragen zu den hohen Mitarbeiterzahlen auf dem Subkontintent bei : Dank ihres enormen Wachstums der vergangenen Jahre zählen TCS, Wipro, Infosys, Cognizant, Satyam, HCL und Patni heute zu den 50 Top-Playern im IT-Servicemarkt. Und sie haben ihre kombinierte Belegschaft innerhalb der letzten zwei Jahre auf 354.000 mehr als verdoppelt.

Von den 50 weltgrößten IT-Dienstleistern sind 28 mittlerweile mit mindestens einer Niederlassung in Indien präsent. Weitere vier – darunter Lufthansa Systems und Steria – unterhalten Allianzen mit indischen Anbietern, um ihren Kunden Offshore-Kapazitäten zur Verfügung stellen zu können. Das Gros der IT-Service-Provider, die keinerlei Verbindung zu Indien haben, arbeitet für den öffentlichen Dienst, in dem Offshoring aus Sicherheits- und Regulierungsgründen nicht üblich ist.

Indien ist mit 80 Prozent Marktanteil nach wie vor die wichtigste Offshore-Region. 430.000 der insgesamt 537.000 in Niedriglohnländern Beschäftigten arbeiten auf dem Subkontinent. Doch angesichts der steigenden Preise bauen immer mehr Anbieter – auch die Inder selbst –Offshore-Standorte in anderen Billiglohnregionen auf. Skandinavische Anbieter wie Tieto Enator bevorzugen beispielsweise Polen und das Baltikum, und die französischen IT-Dienstleister setzen auf Offshore-Center im französischsprachigen Marokko.

Aber vor allem China gewinnt für die Verlagerung von IT- und Backoffice-Tätigkeiten an Bedeutung. Laut "Computerwire" betreiben bereits 18 der 50 weltweit größten IT-Dienstleister dort Offshore-Zentren. Besonders aktiv ist TCS: Der indische Marktführer hat angekündigt, seine chinesische Belegschaft von heute rund 800 auf 5000 in fünf Jahren zu erhöhen.

Osteuropa gilt als Nearshore-Region par excellence. 17 der 50 Top-Player sind hier mit mindestens einer eigenen Niederlassungen vertreten. Besonders Polen, Ungarn und Tschechien sind für die Erbringung von Helpdesk-, IT-Infrastruktur- und Back-Office-Services bei westeuropäischen Anwendern beliebt.

Auch Lateinamerika gewinnt zunehmend an Bedeutung. Derzeit betreiben zwölf der 50 größten Serviceanbieter Sourcing-Zentren in Ländern wie Mexiko, Argentinien, Brasilien und Costa Rica. Auch hier sind die indischen Offshorer Vorreiter: TCS etwa beschäftigt bereits mehr als 3000 Leute in Chile, Uruguay und Brasilien. (sp)

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