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Die Firmen-IT kann und soll Web 2.0 nicht stoppen

19.04.2007 | 11:27 Uhr |

Statt sich gegen moderne Tools für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu wehren, sollten IT-Verantwortliche lieber ihre Stärken nutzen. Diese sind nicht von der Hand zu weisen.

Auf der Mittwoch abgeschlossenen Web 2.0 Expo in San Francisco haben sich drei Granden der Web-2.0-Szene - Ross Mayfield, CEO von Socialtext , Satish Dharmaraj, CEO von Zimbra und Matthew Glotzbach, Business Product Manager bei Google – in einer Podiumsdiskussion zum Thema "Web 2.0 im Unternehmen" geäußert. Verständlicherweise gab es kaum Kontroversen, aber dafür einige interessante Einlassungen zum Verhältnis der "ernsthaften" Unternehmens-IT und der Web-2.0-Bewegung. Im Mittelpunkt der Diskussion stand das derzeit heiße Eisen Collaboration – eine Paradedisziplin von Web 2.0.

Laut Glotzbach wird es den IT-Abteilungen nicht gelingen, den Gebrauch von Web-2.0-Anwendungen durch die Mitarbeiter zu unterbinden. Als Beispiel nannte er die vielfach aussichtslosen Versuche, Instant Messenger in Unternehmen zu blockieren. Man könne zwar mit Web-2.0-Anwendungen ähnlich verfahren, doch sei dies gleichermaßen zwecklos wie unvernünftig. Schließlich wollten/müssten Mitarbeiter von der individuellen Produktivität auf eine Team-Produktivität umschalten: "Anwender wollen Tools, um ihre Arbeit zu erledigen."

Dies mit Web-2.0-Programmen zu ermöglichen, sei auch für die IT-Abteilung von Vorteil, argumentierte Socialtext-CEO Mayfield. Eine Implementierung der modernen Lösungen gelinge wesentlich schneller als mit herkömmlichen IT-Mitteln wie etwa bei den bekannten Unternehmensportalen. Allerdings hinkt der Vergleich etwas, denn klassische Portale sind in der Regel auch für andere Zwecke als die Collaboration errichtet worden. Die verkürzte Implementierungsdauer gegenüber traditionellen Collaboration-Lösungen, die einfache Bedienbarkeit und der häufig intelligente Funktionsumfang der Web-2.0-Tools sind jedoch gute Argumente bei der reinen Zusammenarbeit zwischen Menschen. "In der Schule nannte man das Teilen von Wissen noch 'abschreiben', im Beruf nennt man es 'Collaboration'", sagte Mayfield.

Zimbra-Chef Dharmaraj verwies auf den allmählichen Wandel in Unternehmen von Desktop-zentrierten Anwendungen hin zu Web-basierten Tools, der durch die Web-2.0-Anwendungen angetrieben wird. "Durch die Fülle ihrer Funktionen steigt die Produktivität der Mitarbeiter", so Dharmaraj. Zudem würden immer mehr CIOs realisieren, wie "verrückt" es sei, 25.000 Desktops mit Patches versehen zu müssen, statt ein Online-Programm anzupassen. Google-Manager Glotzbach brachte abschließend die Meinung der drei Web-2.0-Protagonisten auf den Punkt: "Mitarbeiter, die Informationen horten, sind das Problem. Menschen, die Informationen teilen, werden belohnt." (ajf)

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