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Deutschlandweites DSL ist Illusion

08.04.2007 | 15:06 Uhr |

Weniger als zwei Drittel in einem Telekommunikationskabel können aktuell für DSL genutzt werden. Die geringen Übertragungsgeschwindigkeiten liegen vor allem an den kleinen Leitungsquerschnitten.

Auch die Forderung von Politikern nach "Breitband für alle" sowie die hochgesteckten Pläne einiger Carrier-Unternehmen werden Vollversorgung der DSL-Technik in den nächsten Jahren nicht ermöglichen. Zu dieser Erkenntnis kommt unsere Schwesterpublikation COMPUTERWOCHE in ihrer aktuellen Ausgabe.

Laut Versuchen der Fraunhofer-Einrichtung "Systeme der Kommunikationstechnik" in einem klassischen Telekommunikationskabel könnten derzeit nur maximal 60 Prozent der vorhandenen Anschlüsse für die heutige DSL-Technik nutzbar gemacht werden. Ein Grund dafür läge in der ursprünglichen Bestimmung der Telefonkabel, die somit nur für einen Frequenzbereich 3,4 Kilohertz vorgesehen waren. Die DSL-Technik benötigt hingegen Frequenzen von bis zu 2.208 Megahertz (bei ADSL2+).

Weiterhin wären in Deutschland Telefonnetz-Kabel mit unterschiedlichen Leitungsquerschnitten verlegt worden. Diese reichen von 0,35 bis 0,8 Millimetern, wobei ein größerer Durchschnitt auch höhere Datenraten und Entfernungen für die DSL-Nutzung bedeuten würde. Somit wäre es für einen schnellen DSL-Zugang unabdingbar, dass die vom damaligen Monopolisten Deutsche Bundespost verlegten Kabel sehr dick wären und aus Kupfer bestehen. Die Deutsche Telekom setzte hingegen gerade in Neubaugebieten und Ballungszentren auf dünnere Kabel, welche hohe DSL-Bandbreiten quasi unmöglich machen würden.

Die Störanfälligkeit der DSL-Anschlüsse könnte laut COMPUTERWOCHE weiterhin mit dem so genannten Dynamic Spectrum Management (DSM) verringert werden, welches von vielen Beobachtern bereits als DSL-Nachfolger gefeiert wurde. Es ermöglicht einen geregelten DSL-Einsatz mit aktiv angepassten Parametern und kann so Störfaktoren wie Nebensprechen verhindern. Auf diese Weise können zudem auch Reichweite und Übertragungsgeschwindigkeit erhöht werden. „Mit DSM beginnt eine neue Ära der DSL-Übertragung" freut sich Helmut Steckenbiller, Geschäftsführer bei Fraunhofer in München. Die neue Technik werde laut Steckenbiller jedoch erst 2009 zum Einsatz kommen. Doch auch dann wird es in Ballungszentren wohl nicht für alle Einwohner einen DSL-Anschluss geben.

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