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Deutschlands Cyber-Kriminelle am weitesten entwickelt in EU

11.12.2015 | 15:09 Uhr |

Als kriminelles Ökosystem ist der deutsche Cyber-Untergrund global gesehen klein, aber doch der am besten entwickelte in der EU. Er hat auch sehr spezielle Nischenprodukte wie den Packstation-Service.

Das Internet wird gerne als durchglobalisiert und grenzenlos dargestellt. Auch wenn das zum Teil zutreffen mag, gibt es online, wie auch in der Offline-Welt, regionale Märkte und Besonderheiten. Dazu zählt auch der kriminelle Untergrund. Der japanische Antivirushersteller Trend Micro hat den Cyber-Untergrund einiger Länder untersucht, darunter auch den deutschen, und ausführliche Analysen veröffentlicht.

Der deutsche Cyber-Untergrund ist nach Einschätzung der Trend-Micro-Forscher zwar relativ klein, aber in der EU der am weitesten entwickelte. Er ist weit genug gereift, um den Grundbedarf der regionalen Online-Kriminalität zu decken. Er bietet zudem Nischenprodukte wie den „Packstation-Service“, die es nur hierzulande gibt. Außerdem gibt es Verbindungen zum viel größeren und weiter entwickelten russischen Untergrund.

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Die Forscher haben zehn große Online-Foren mit insgesamt etwa 70.000 Mitgliedern und mindestens zwei größere Marktplätze identifiziert, die durch Sprache und Standort der Teilnehmer eingrenzbar sind. Die zum Teil im Ausland angesiedelten und als Sicherheitsforen ausgegebenen Foren dienen dem Informationsaustausch und zum Knüpfen neuer Kontakte. Auf den Marktplätze werden Kreditkarten(-daten), gehackte Konten, Drogen, spezielle Malware („Crimeware“), anonyme SIM-Karten und gefälschte Dokumente gehandelt. Bezahlt wird vorzugsweise mit Bitcoins.
 

Packstation-Service
Vergrößern Packstation-Service
© Trend Micro

Aus der mehr als 60 Seiten umfassenden Analyse des deutschen Untergrunds sei an dieser Stelle noch eine Spezialität der deutschen Szene heraus gegriffen – der Packstation-Service. Gehackte Packstationen der Deutschen Post dienen der Zustellung illegaler Waren. Die Käufer erhalten eine SMS mit der TAN (Transaktionsnummer), um die bestellte Ware, etwa Drogen, abzuholen. Es werden auch Artikel bei legitimen Online-Shops bestellt, die dann jedoch nicht bezahlt werden. Auch deshalb liefern manche Shops nicht mehr an Packstationen. Die gehackten Packstationen werden auf Untergrundmarktplätzen zu Preisen zwischen 5 und 25 Euro gehandelt, je nach Ausstattung und Abnahmemenge.
 
Trend Micros Whitepaper „Der deutsche U-Markt - eine Nische im weltweiten Schwarzmarkt“ enthält umfangreiche und detaillierte Informationen zum deutschen Online-Untergrund, auch Namen aktiver Krimineller und Marktplätze. Es muss jedoch davor gewarnt werden, sich auf eigene Faust „nur mal so“ in der Szene umschauen zu wollen. Das ist kein Spielplatz wie die Foren irgendwelcher Möchtegern-Hacker.

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