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Deutschland gehen die IT-Spezialisten aus

09.08.2006 | 15:45 Uhr |

Software- und Beratungshäuser suchen qualifizierte IT-Profis. Doch längst nicht alle Stellen können besetzt werden. Fehlt es an guten Spezialisten, oder sind die Unternehmen selbst schuld?

Hier lesen Sie ...

- warum der Bitkom vom IT-Fachkräftemangel spricht;

- wie Arbeitgeber auf den engen Personalmarkt reagieren;

- wie der Öffentlichkeit die Informatik näher gebracht werden soll.

Dass sich die deutsche ITK-Industrie laut Branchenverband Bitkom auf einem guten Weg befindet, ist die gute Nachricht. Die schlechte schiebt Bitkom-Präsident Willi Berchtold gleich hinterher: "Die Branche leidet akut unter Fachkräftemangel." Aus diesem Grund fordert der Verband eine "aktiv gemanagte Zuwanderung gut ausgebildeter, junger Menschen". Bei einigen Arbeitsmarktexperten führt die Bitkom-Prognose zu leichten Irritationen - hatte man ein ähnliches Lamento der Arbeitgeber doch bereits im Jahr 2000 gehört. Die damalige Bundesregierung startete noch im selben Jahr die Greencard-Initiative. 20 000 ausländische IT-Experten sollten die deutsche Wirtschaft unterstützen. Das Resultat indes sah nach vier Jahren eher dürftig aus. Als die Computerprofis aus Indien und Osteuropa im Land waren, stellten deutlich weniger Unternehmen als erwartet Greencardler ein.

Wolfgang Müller, IG Metall: 'Anstatt über die Farbe der nächsten Greencard nachzudenken, sollten Firmen lieber ihre rigorosen Einstellungskriterien lockern.'
Vergrößern Wolfgang Müller, IG Metall: 'Anstatt über die Farbe der nächsten Greencard nachzudenken, sollten Firmen lieber ihre rigorosen Einstellungskriterien lockern.'
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"Anstatt über die Farbe der nächsten Greencard nachzudenken, sollten die Unternehmen lieber ihre rigorosen Einstellungskriterien lockern", wettert Wolfgang Müller, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in München. Wenn die Betriebe weiterhin nur diejenigen unter Vertrag nähmen, die die Anforderungen zu 150 Prozent erfüllten, werde es zu einem "hausgemachten" Fachkräftemangel kommen. Es gehe nicht an, "über zu wenig Personal zu klagen, aber gleichzeitig Umschülern und Quereinsteigern kaum eine Chance zu geben". Der Gewerkschaftsvertreter kennt die Argumente der Personalchefs nur zu gut: Quereinsteiger seien nicht ausreichend qualifiziert, um anspruchsvolle IT-Jobs übernehmen zu können. "Und warum", fragt Müller, "fallen nahezu alle Computerfachleute durch das Raster, die älter als 40 Jahre sind? Mangelnde Erfahrung kann man ihnen wohl kaum vorwerfen." Wie die Realität bei den älteren IT-Profis aussieht, erfuhr der IG-Metaller bei einem Wiedersehenstreffen ehemaliger Kollegen von früher erfolgreichen Computerfirmen. Von den anwesenden 500 IT-Experten war jeder Vierte arbeitslos.

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